Unterstützen

Kurz notiert

Kurz notiert

11.02.26, Neues zum Thema Bargeld (5/2026):
— Stadtrat von Sandersdorf-Brehna (Sachsen-Anhalt) beschließt, dass behördliche Dienstleistungen wieder bar bezahlt werden können.
— Frankreich: Gesetzesentwurf für den Zugang zu Bargeld im Senat eingebracht. Jede Kommune ab 1000 Einwohnern soll mindestens einen Geldautomaten besitzen und 90 Prozent der Bevölkerung sollen innerhalb von fünf Kilometern an Bargeld gelangen.
— Kontokündigung: Bargeld-Aktivist Hansjörg Stützle verliert Spendenkonto.
— Schweiz: Petition in Graubünden fordert, dass Parkgebühren in Ilanz wieder bar beglichen werden können. Der Gemeindepräsident echauffierte sich.
notizen-2026/#110226-068

03.02.26, Neues zum Thema Bargeld (4/2026):
— Aufgrund der EU-Münzgeldprüfverordnung nehmen Banken teils exorbitante Münzgebühren. Ein Bäcker zahlt 50 Cent pro Münzrolle obendrauf. Nun ruft er deshalb zur Kartenzahlung auf.
— Bayerns Verbraucherschutzminister Glauber will, dass im ÖPNV-Nahverkehr auf die eine oder andere Weise auch mit Bargeld bezahlt werden kann.
— Schweiz: Eine klare Mehrheit ist dafür, dass Bargeld Verfassungsrang erhält.
— Die »Zeit« kritisiert die Bargeld-Bewegung. Ich habe eine Gegendarstellung veröffentlicht.
— 14 Sozial- und Wirtschaftsverbände wenden sich an die Bundesregierung und fordern Akzeptanz und Verfügbarkeit von Bargeld.
— Sparkasse Mittelthüringen ist bemüht darum, dass auf Stadtfest in Erfurt von allen Händlern Kartenzahlung akzeptiert wird.
— Restaurant in Uetersen nimmt kein Bargeld mehr an.
— Schweiz: Regierung des Kantons Aargau ist gegen Bargeld-Annahmepflicht.
— Schweiz: Verband rechnet vor, dass die Verkehrsbetriebe durch Abschaffung des Bargelds nur acht Franken pro Automat und Tag einsparen.
notizen-2026/#030226-335

02.02.26, Für die Wahrheit keine Zeit: Gründlich recherchierte Informationen über die EU-Debatte um den Schutz des Bargelds erhalten Leser der »Zeit« nicht. Stattdessen stellt die Wochenzeitung die Bargeld-Bewegung um Hansjörg Stützle infrage. Meine Replik gibt es hier.
notizen-2026/#020226-989

Mehr Kurznotizen →

Aktuelle Beiträge

Raus aus der Bildungsfalle

Grafik zur Symbolisierung. Lizenz: Bild von Persblik / Pixabay / Bild beschnitten.

Rezension | 23.10.2024

Raus aus der Bildungsfalle

Ein Sozialwissenschaftler sucht Wege aus der Bildungsfalle und setzt dabei auf einen starken Staat. Wie denkt darüber ein junger Journalist, der das Schulsystem verließ, noch ehe es das Gesetz erlaubte? Von Hakon von Holst.

Weiterlesen

Externe Publikationen

Mehr aktuelle Beiträge →

Externe Publikationen

02.02.2026, Artikel, »Für die Wahrheit keine Zeit«

18.11.2025, Pressemitteilung, »EU-Parlament ringt um die Zukunft des Bargelds«

04.11.2025, Artikel, »13 Punkte zur Verbesserung der EU-Bargeld-Verordnung« (auch in Englisch)

04.11.2025, Artikel, »Einzelhändler und Dienstleister schaffen das Bargeld ab – auch unter der geplanten EU-Bargeld-Verordnung?« (auch in Englisch)

04.11.2025, Artikel, »Ungleichbehandlung des Bargelds gegenüber dem Digitalen Euro« (auch in Englisch)

04.11.2025, Artikel, »Akzeptanz-Vorschriften für Bargeld in 36 Ländern Europas« (auch in Englisch)

08.09.2025, Artikel, »Bargeld-Tracking: Überwachung an der Ladenkasse«

13.08.2025, Interview, »Müssen unsere Freiheit nutzen, damit sie dauerhaft erhalten bleibt«

27.07.2025, Artikel, »Wie die Bundesbank das Bargeld vernachlässigt und damit akute Probleme verkennt«

11.07.2025, Interview: »2030 – das Ende der Barzahlungen?«

08.07.2025, Artikel, »De-Banking von Regierungskritikern: Eine Chronologie gekündigter Bankkonten«

06.07.2025, Interview, »Wie Konzerne und Banken die totale Überwachung einführen«

04.07.2025, Artikel, »Gute Nachrichten für Bargeldfreunde – nur nicht aus Deutschland«

04.07.2025, Interview, »Gefahr für die Demokratie durch den Krieg gegen das Bargeld«

01.07.2025, Artikel, »Eine unerwartete Wendung«

30.06.2025, Buch, »Krieg gegen das Bargeld«

30.06.2025, Videobotschaft, »Warum ich noch nie mit Karte bezahlt habe«

25.06.2025, Interview, »Kreditkartenkonzerne und Banken führen Krieg gegen das Bargeld«

21.06.2025, Artikel, »Entscheidungsschlacht ums Bargeld«

21.06.2025, Interview, »Bargeldabschaffung: ›Regierungen wollen tendenziell folgsame Bürger‹«

19.06.2025, Interview, »Regierung bezahlt Bargeldfeinde«

15.06.2025, Interview, »Der Krieg gegen das Bargeld«

14.06.2025, Offener Brief, »Entscheidungsschlacht ums Bargeld im EU-Parlament«

29.05.2025, Artikel, »Flugblatt für den gesetzlichen Schutz des Bargelds«

15.05.2025, Artikel, »Das schleichende Ende der Barzahlung«

08.05.2025, Artikel, »Verbraucherzentralen machen sich für Bargeld stark​«

25.04.2025, Artikel, »Warum unter der neuen Regierung noch mehr unabhängige Medien ihr Bankkonto verlieren könnten«

24.04.2025, Artikel, »Kritik an der Verdrängung des Bargelds zur besten Sendezeit«

11.04.2025, Artikel, »Recherche? Fehlanzeige?«

27.03.2025, Rezension, »Geburtsstunde der Gewalt«

17.03.2025, Artikel, »Der digitale Euro und die Zukunft des Bargelds«

11.02.2025, Artikel, »Bundestagswahl: So stehen die Parteien zum Bargeld«

07.02.2025, Artikel, »Der Keim zur Heilung«

14.01.2025, Artikel, »100.000 Bürger sagen nein zu Digitalzwang und ja zu Bargeld«

08.01.2025, Pressemeldung, »Verkehrsbetriebe trennen sich vom Bargeld – 100.000 Bürger sagen nein zum Digitalzwang«

17.12.2024, Artikel, »Der Gerichtsbeschluss, der freie Medien vor finanzieller Austrocknung schützt«

04.12.2024, Artikel, »Bargeld auf dem Weg in die Schweizer Verfassung«

18.11.2024, Bericht, »Warten auf den Kipppunkt«

16.11.2024, Vortrag, »Bargeld für die Welt von morgen«

03.11.2024, Artikel, »Wie die US-Regierung ihren Agrarchemie-Konzernen hilft, Europa und die Welt zu erobern«

24.10.2024, Kommentar, »Wie Landesregierungen mit mehr als Worten zum Friedenserhalt beitragen können«

22.10.2024, Artikel, »Nahverkehr hängt Senioren und Kinder ab«

22.10.2024, Rezension, »Raus aus der Bildungsfalle«

07.10.2024, Artikel, »Alles nur noch digital? Warum wir unser Bargeld schützen sollten«

06.09.2024, Artikel, »Wie die öffentliche Hand das Bargeld abschafft«

04.09.2024, Artikel, »Nahverkehr ohne Bargeld: Ein Spinnennetz der Überwachung« (auch in der BLZ vom 09.09.24 auf Seite 3)

24.06.2024, Artikel, »Der lautlose Angriff auf oppositionelle Medien« (gekürzte Fassung in der NOZ, im GA, in den ON und im neuen Format Tag 7)

Mehr Publikationen →

Übersicht

Beiträge nach Rubrik

06.06.2025, Die Natur im Spätfrühling und Frühsommer: »Eine fotografische Reise über blühende Wiesen.«

21.04.2025, Frühling: »Mag auch das Leben unter der menschlichen Kälte verwelkt sein, und doch: Unter dem Stein wächst eine Blume hervor und es wird Frühling …«

31.12.2024, Winterwunderland: »Eistage am Rande des Südschwarzwalds. Kiefern und Fichten überzogen von einem Stachelteppich. Aus Laubsträuchern werden Nadelbüsche.«

16.10.2023, Kranz im Herbst: »Aus Früchten und Blütenständen entsteht ein buntes Geflecht ohne künstliche Hilfsmittel.«

25.08.2023, Versöhnung im Land der Verbannung: »Fern im Osten, am tiefsten See der Welt, spielte eine Geschichte der Versöhnung – erst vor wenigen Jahren. Was kann den Kriegen in aller Welt ein Ende setzen? Hier kommt ein Beispiel, aus dem sich schöpfen lässt.«

31.10.2022, Goldener Oktober: »Die Schatten sind länger geworden. Im flachen Winkel fällt das Licht durch die Baumwipfel – ein Mittag im späten Herbst …«

21.03.2021, Tips für alle, die neu im Garten sind: »Gestern, der 20. März, ist das Sommerhalbjahr angebrochen. Allen angehenden Gärtnern möchte ich aus diesem Anlass einige Hinweise geben …«

02.09.2018, Fassung einer Kluftquelle im Lungau: »Im Mai haben wir am Krameterhof wieder eine Quelle gefasst und ich habe die Möglichkeit genutzt und ein paar Bilder gemacht …«

Aktuelle externe Veröffentlichungen ansehen

Mehr Artikel zum Thema »Natürlicher Landbau» anzeigen

27.12.2021, Woher Hast und Eile kommen: »Ein Blick auf den Terminkalender: keine Verpflichtungen heute, Gott sei Dank. Und trotzdem macht sich Unruhe breit. Woher kommt das? Wann stellt sich Ruhe ein?«

21.12.2021, Erinnerung an das Gute.

Aktuelle externe Veröffentlichungen ansehen

06.10.2023, Geschlossene Gesellschaft: wie unbotmäßige junge Journalisten draußen gehalten werden …

25.08.2023, Versöhnung im Land der Verbannung: »Fern im Osten, am tiefsten See der Welt, spielte eine Geschichte der Versöhnung – erst vor wenigen Jahren. Was kann den Kriegen in aller Welt ein Ende setzen? Hier kommt ein Beispiel, aus dem sich schöpfen lässt.«

27.07.2023, Voll, aber nicht satt: »Äcker verlieren fruchtbaren Humus. Genau der aber macht den Boden lebendig, speichert Wasser und bringt unsere Lebensmittel hervor. Können ausgelaugte Felder noch gesunde Früchte hervorbringen?«

05.02.2023, Das Ammoniakproblem: »Neue Vorschriften fürs Düngen, denn Gülle soll nicht mehr stinken. Moderne Maschinen müssen her. Die Folge: Exkremente im Futtertrog und Geldsorgen …«

Aktuelle externe Veröffentlichungen ansehen

Hier finden Sie ein Archiv aller meiner Texte zum Thema »Zukunft des Bargelds«

31.10.2022, Goldener Oktober: Die Schatten sind länger geworden. Im flachen Winkel fällt das Licht durch die Baumwipfel – ein Mittag im späten Herbst …«

20.09.2021, Ein Weihnachtslied: »Kahl stehen die Lärchen am Waldesrand, am Boden zerstreut hat sich ihr goldnes Gewand; erkaltet, erstarrt ist die weite Flur …«

Aktuelle externe Veröffentlichungen ansehen

  • Bücher lesen

Hier gibt es Leseempfehlungen für Februar 2026.

  • Rundbrief abonnieren

Informationen aus meiner Feder, die der Seele guttun und das Denken befreien, können Sie sich auch regelmäßig per E-Mail zusenden lassen. Abonnieren Sie den Rundbrief!

Erinnerung an das Gute

Liebe Freude Interesse Glück Glückseligkeit Freiheit Lebendigkeit Nächstenliebe Zuneigung Mitgefühl Inspiration Begeisterung Berührung Würde Erleuchtung Entfaltung Entdeckerfreude Zufriedenheit Empfindsamkeit Genügsamkeit Klarheit Schönheit Schöpfung Läuterung Widerstandskraft Kraft Frohlocken Einkehr Weitsicht Gelassenheit Ausgewogenheit Harmonie Überfluss Vielfalt Vielseitigkeit Hilfsbereitschaft Emsigkeit Vollkommenheit Fleiß Willenskraft Beseeltheit Intelligenz Verstehen Präsenz Beweglichkeit Humor Witz Durchdringung Mut Wagemut Übersicht Perspektive Zielstrebigkeit Orientiertheit Verbundenheit Verwurzelung Heimat Standfestigkeit Friedliebe Spontanität Wildheit Kultiviertheit Disziplin Selbstkontrolle Leben Lachen Entfesselung Zuversicht Beschwingtheit Neutralität Authentizität Ehrlichkeit Aufrichtigkeit Achtsamkeit Rücksicht Voraussicht Entspannung Wachstum Entwicklung Esprit Wonne Sonnigkeit Rechtschaffenheit Gewissen Feuer Erdung Überlegtheit Treue Vertrauen Eigenständigkeit Selbständigkeit Eigenverantwortung Verantwortung Strahlkraft Güte Dankbarkeit Hoffnung Charisma Bescheidenheit Demut Beständigkeit Natürlichkeit Zeitlosigkeit Sinn Besinnlichkeit Farbe Verlässlichkeit Wachheit Genauigkeit Heiterkeit Ausgeglichenheit Echtheit Wahrheit Wahrhaftigkeit Unschuld Kindlichkeit Reinheit Unbedarftheit Ordnung Fürsorge Besonnenheit Lebenskraft Großherzigkeit Herzlichkeit Weisheit Differenzierung Handlung Bewusstsein Segen Vergebung Versöhnung Brüderlichkeit Temperament Gestandenheit Wärme Gottvertrauen Dynamik Fülle Kooperation Zusammenwirken Liebevolles Schöpfen Ideenreichtum Rhythmus Fähigkeit Potenzial Strukturiertheit Synchronizität Synthese Horizont Reinigung Schutz Ausdauer Erweckung Wahlfreiheit Selbstbestimmung Unabhängigkeit Autonomie Geborgenheit Erquickung Seelenfrieden Labsal Würdigung Debatte Auseinandersetzen Freiraum Sanftheit Ermutigung Erneuerung Zukunftsorientiertheit Offenheit Standhaftigkeit Erhellung Erkennen Antrieb Rückgrat Großzügigkeit Tatendrang Menschlichkeit Beleuchtung Wahrheitssinn Wahrheitsstreben Freundschaft Väterlichkeit Barmherzigkeit Größe Intuition Verzeihung Konzentration Unendlichkeit Ewigkeit Fluss Ermunterung Respekt Wertschätzung Mütterlichkeit Licht Heilung Wunder Göttlichkeit Einsicht Menschenliebe Vernunft Freundlichkeit Erbarmen Originalität Eintracht Seligkeit Zärtlichkeit Behüten Geburt Rührung Austausch Sternstunde Maß Kreativität Zweisamkeit Aufatmen Juchzen Singen Linderung Lindheit Gabe Altehrwürdigkeit Aufbruch Eingebung Lebenslust Sonnenaufgang Sternenlicht Frieden Frohsinn Selbstlosigkeit Fürsprechen Begegnung Ausweg Trittsicherheit Anregung Lächeln Befreiung Erfrischung Wohlwollen Erlösung Warmherzigkeit Kommunikation Zuhören Gutes Sanftmut Unermüdlichkeit Beherztheit Getragensein Offenherzigkeit Leichtigkeit Klang Behutsamkeit Altruismus Herzinnigkeit Ergrünen Erblühen Fruchtbarkeit Bedacht Heilsein Klarsicht Zeithaben Tierliebe Niveau Milde Entgegenkommen Entzücken Verzicht Ernsthaftigkeit Vorsicht Überwindung Beflügeltsein Kinderliebe Herrlichkeit Seelenreichtum Echtes Sinnlichkeit Werte Tapferkeit Erinnerung Vorfreude Herz Gewissheit Gewissenhaftigkeit Teilnahme Mutterliebe Ausstrahlung Sorgfalt Fantasie Achtung Erfinderreichtum Verwirklichung Nachsicht Wahrheitsliebe Redlichkeit Freigiebigkeit Tatkraft Erfüllung Weihnachten

Ich wünsche allen Menschen auf diesem Wege einen fröhlichen Tag. Von jetzt an und auch in der Zukunft. Wer Freude daran hat, kann sich all die guten Wörter ausdrucken:

Es ist auch möglich, sich ein wenig Zeit zu nehmen, um sich an weitere Wörter und Worte zu erinnern. Es gibt Kraft. Und vielleicht ist der Wunsch da, diese Freude mit anderen Menschen zu teilen. Per E-Mail zum Beispiel. Oder ganz direkt.

Diese Erinnerung mit anderen Menschen teilen

Kranz im Herbst

Aus Früchten und Blütenständen entsteht ein buntes Geflecht ohne künstliche Hilfsmittel.

Vor langer Zeit fertigte ich einen Adventskranz aus Tannenreis. Ein Strohring gab die Basis und Draht diente zum Binden. Auf diese Hilfsmittel wollte ich nun verzichten und probierte aus. Meine Grundlage sollte ein Ring aus Brennnesseln werden. Ich streifte die stechenden Blätter herunter und flocht aus drei Ruten eine Litze …

Weiterlesen

Versöhnung im Land der Verbannung

Die sibirische Seele erzählt nicht nur von der Zwangsumsiedlung der Wolgadeutschen, sondern auch die Geschichte, wie Deutsche und Russen am Baikalsee wieder zueinander gefunden haben.

Bildlizenz: Foto »Lake Baikal« von Sergey Gabdurakhmanov / CC BY 2.0 / Foto beschnitten.

Vor 300 Jahren erkundeten deutsche Forscher die Weiten hinter dem Ural: Sibirien. Ein Land von unendlicher Schönheit. Doch auch ein Begriff für Kälte und Zwangsarbeit. Fern im Osten, am tiefsten See der Welt, spielte eine Geschichte der Versöhnung – erst vor wenigen Jahren. Was kann den Kriegen in aller Welt ein Ende setzen? Hier kommt ein Beispiel, aus dem sich schöpfen lässt.

Die deutsch-russischen Beziehungen reichen weit zurück. Zar Peter der Große (1672 bis 1725) suchte regelmäßig die Nemezkaja sloboda auf, ein Ausländerquartier vor Moskau. Hier lebten vor allem Deutsche – und hier fand er seine erste Geliebte: Anna Mons. Später verlegte der Herrscher die russische Hauptstadt an die Ostsee. Zehntausende Zwangsarbeiter errichteten Sankt Petersburg auf Sumpfgebiet. Vor seinem Tod gründete Peter an diesem Ort die Russische Akademie der Wissenschaften. Zu ihrem ersten Präsidenten bestimmte er seinen Leibarzt Laurentius Blumentrost. Muttersprache der meisten an die Akademie berufenen Wissenschaftler war Deutsch.

Zu ihnen zählte auch Johann Georg Gmelin, geboren in der schwäbischen Universitätsstadt Tübingen. Mit 21 Jahren wurde er zum Professor für Chemie und Naturgeschichte ernannt – an der Akademie der Wissenschaften in Russland. Zwei Jahre später, 1731, reiste er im Auftrag der Zarin und zusammen mit dem Historiker Gerhard Friedrich Müller Richtung Sibirien. In den folgenden zehn Jahren erforschte er den asiatischen Landesteil Russlands: seine Geographie, Tier- und Pflanzenwelt, Bodenschätze, die lokale Wirtschaft und die Lebensweise der Einheimischen.

Im Fernen Osten durchwanderte Gmelin die Wälder der Dahurischen Lärche. Zu seinen Ehren nennen die Botaniker diesen Baum Larix gmelinii. Das Gehölz ist bis hinauf zum Nördlichen Eismeer verbreitet, übersteht Temperaturen von minus 70 Grad Celsius. Im Süden erreicht es die Ufer des Baikalsees. Hier stand Gmelin im Jahr 1735. Die Gegend ist ein eigener Kosmos: Sie beheimatet die einzige Süßwasserrobbe der Welt. Die meisten Seebewohner trifft man nirgendwo sonst – der Baikal gehört zu den ältesten Seen auf der Erde. Im Mittel ist er 50 Kilometer breit und grob 650 Kilometer lang, also einmal Luftlinie München – Rostock. Den größten See Österreichs und Deutschlands, den Bodensee, könnte man ausleeren und 500 Mal wiederbefüllen – allein mit dem Wasser aus dem Baikal.

Bildlizenz: Foto »Nerpa (Pusa sibirica)« von Sergey Gabdurakhmanov / CC BY 2.0.

Wir sprechen vom reichsten Süßwassersee der Welt. An den Wassermassen aus allen Flüssen der Erde und allen nicht salzigen Seen hält der Baikal mehr als ein Fünftel. Mit 1642 Metern ist er der tiefste See überhaupt. Und dennoch ragen 27 Inseln aus seinen Wassern. Eine von ihnen trägt den Namen Olchon. Um die Fischproduktion auszuweiten, wurde hier 1938 die Siedlung Chuschir gegründet. Wenig später zogen über 200 Männer in den fernen Krieg. Nach dem Sieg über Hitlerdeutschland kehrte weniger als die Hälfte von ihnen lebend in die junge Ortschaft zurück. Ende der 1990er, als die Sowjetunion zusammengebrochen war, bot sich folgendes Bild: Ein Dorf mit 1000 Erwachsenen und 200 Kindern. Strom aus der Steckdose – das gab es nur gelegentlich, und niemand brauchte einen Gedanken an ein Handy zu verschwenden. Fließendes Wasser aus der Leitung? Unbekannt.

Die Filmemacher Susanne Becker und Bernd Reufels wählten diesen Platz für ein Experiment aus – im Auftrag des ZDF. Zwei deutsche Familien sollten nach Chuschir umsiedeln. Auf jede wartete ein Holzhäuschen mit Gemüsegarten und Vieh. Für das Wagnis existierte kein Drehbuch. Das Leben selbst würde die Geschichte schreiben, beobachtet von der Kamera, festgehalten in dem Film »Sternflüstern«. Von flüsternden Sternen spricht man dort auf Olchon, wenn der Atem zu Eis gefriert und leise klingend zu Boden fällt. Doch so kalt empfing die Familien ihre neue Heimat nicht.

Mit wenig Gepäck erreichen die Abenteurer die Insel zu Schiff. Anfang September 2003 geht es an Land. Die Deutschen erwartet der ausklingende Sommer. Familie Möchel findet endlich ihr Zuhause. Vor der Holzhütte entfaltet sich ein herrliches Seepanorama. Die Meteorologin Ljudmila will gleich ihre deutschen Nachbarn kennenlernen – die sprechen keinen Brocken Russisch. Für die Kinder ist das nicht weiter schlimm. Die vier Töchter schließen bald Freundschaft mit Ljudmilas Sohn Aljoscha. Seine Mutter zeigt den Bayern, wie die Kuh gemolken wird. Außerdem müssen sie lernen, den Ofen zu feuern, um etwas Warmes auf den Teller zu bekommen. Die Familie begreift, was es bedeutet, wenn das Überleben vom eigenen Garten, von kreativen Einfällen und guten Freunden abhängt.

Aljoscha wirkt nachdenklich. Der Vater soll ein Trinker gewesen sein; für seinen Sohn konnte er wenig tun. Erst vor Wochen verließ er Frau und Kind, um mit einer anderen zu leben. Bei Herrn Möchel reift ein Plan: Am Ufer liegt ein kaputtes Motorboot. Er treibt im Dorf Wachstuch auf, bei Nikita fragt er nach Scharnieren, Drahtseil und Holz. Etwas Deutsch und Englisch spricht dieser blondhaarige Geschäftsmann. Nikitas unternehmerischer Verstand schaltet schnell, als er erfährt, dass Herr Möchel Schreiner von Beruf ist. Er bietet ihm an, beim Bau der orthodoxen Kirche zu helfen, um das Material abzubezahlen. Und schon steht der Familienvater aus Bayern hoch oben auf dem Dach. Unangeseilt streicht er mit Helfern die Kirchenkuppeln blau.

Es sind die letzten milden Tage des Jahres, als das Segelboot fertig wird. Aljoscha verlässt der Mut. Schon so viele Fischer wurden auf dem Baikal von Stürmen überrascht, sind gekentert und ertrunken. Doch er nimmt sich ein Herz und fährt mit dem Deutschen hinaus aufs Wasser. Aljoscha beginnt, auf dem Boot zu tanzen; der Wind bringt die beiden zu neuen Ufern.

Der russische Winter kommt unerwartet, auch für Familie Klapproth aus dem Harz. Anfang Oktober fallen über Nacht 15 Zentimeter Schnee. Tochter Jenny begutachtet die Wäsche auf der Leine: steifgefroren. Von nun an überlegt sich jeder zweimal, ob er vors Haus tritt. Daran führt kein Weg vorbei. Die Kuh brüllt, weil das Euter drückt, oder umgekehrt: Die Blase meldet, dass es Zeit wäre, das Plumpsklo aufzusuchen. Trinkwasser schöpfen die Menschen immerzu aus dem Baikal. Der Herd ist die einzige Wärmequelle im Haus. Wenn es am Holz mangelt und das Feuer nachts erlischt, muss der Frühstücksbrei aus Eisplatten gekocht werden. Der See jedenfalls ist rein: Die Sichtweite unter Wasser soll bis zu 40 Meter betragen. Friert der Baikal zu, bilden sich wunderschöne Mosaikmuster.

Bildlizenz: Foto »Baikal« von Sergey Pesterev / CC BY-SA 2.0 / Foto beschnitten.

Das Leben auf Olchon verändert die Familien wie auch die Menschen, die nicht auf der Leinwand in Erscheinung treten. Der Kameramann vom ZDF kommt auf neue Gedanken: »Es gibt keinen Fernseher, es gibt kein Telefon. Und das alles lässt einen ganz allmählich ruhig werden.« Selbst bei den Einheimischen tut sich etwas. Klapproths wohnen mitten im Dorf. Ihre Nachbarn heißen Michail und Maria. Der Kontakt war freundlich, aber anfangs von Zurückhaltung geprägt. Tochter Jenny machte sich nichts daraus. Sie lief oft zu den beiden betagten Russen. Mit der Zeit entstand ein Austausch zum gegenseitigen Nutzen.

Beim gemeinsamen Abendessen bricht bei Michail das Eis. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 ließen Abermillionen Russen ihr Leben. Im selben Jahr wurde die Wolgadeutsche Republik in Sowjetrussland aufgelöst. Hunderttausende Russlanddeutsche wurden zwangsumgesiedelt, viele davon nach Sibirien. Michail war sechs Jahre alt, als sein Vater im Krieg gegen die Deutschen starb. Das hatte ihn geprägt. Klapproths verstehen kein Russisch, doch nun sagt Michail: »Uns ist es schlecht gegangen und euch ist es schlecht gegangen; lassen wir das Vergangene Geschichte sein.«

Beim Abschied im Januar 2004 fließen viele Tränen. Michail hätte seine junge Nachbarin gern für immer behalten. Vater René sei für ihn wie ein Sohn gewesen, Mutter Kerstin wie eine Tochter und Jenny wie eine Enkelin. Der Film »Sternflüstern« wurde in den folgenden Wochen in Etappen im Zweiten Deutschen Fernsehen gezeigt, erreichte ein Millionenpublikum. Heute würde er neue Aufmerksamkeit verdienen.

Das Verbindende entzieht den Konflikten den Boden. Am fernen Baikal in Sibirien zeigt sich: Auch zwei verfeindete Völker können die Gräben zwischen einander überwinden, gemeinsam Herausforderungen angehen und sich eine Hilfe sein. Und vielleicht, vielleicht könnten sie auch miteinander über eine gute Zukunft nachdenken und beginnen, sie zu erschaffen. Zumindest könnten sie darüber Lieder schreiben oder einfach zusammen musizieren, wie es die Menschen am Baikalsee im Winter mit gefrorenen Eisplatten tun.

Dieser Text von Hakon von Holst erschien in der Serie »Russlands Schätze« auf Manova. Weiterführendes zum Thema:

(1) DVD »Sternflüstern – Das Sibirien-Abenteuer«. Laufzeit 174 Minuten, Erstausstrahlung 2004. EAN 4028032065206.

(2) Susanne Dieterich: Württemberg und Russland. Geschichte einer Beziehung. Leinfelden-Echterdingen: DRW-Verlag 1994. ISBN 978-3-87181-243-9.

(3) Johann Georg Gmelin: Reise durch Sibirien. Göttingen: Abraham Vandenhoeck 1751/1752. Insgesamt vier Bände. In digitaler Form hier: https://vital.lib.tsu.ru/vital/access/manager/Repository?f0=sm_creator%3A%22Gmelin%2C+Johann+Georg%22

(4) Gerhard Friedrich Müller (Reisegefährte Gmelins): Sammlung Rußischer Geschichte. Erster Theil. Offenbach am Main: Ulrich Weiß 1777. Insgesamt neun Bände. In digitaler Form hier: https://www.digitale-sammlungen.de/de/search?query=%28%22Sammlung+Ru%C3%9Fischer+Geschichte%22%29

Diese Rezension mit anderen Menschen teilen

Voll, aber nicht satt

Ob in Deutschland, Italien oder anderswo: Äcker verlieren fruchtbaren Humus. Genau der aber macht den Boden lebendig, speichert Wasser und bringt unsere Lebensmittel hervor. Können ausgelaugte Felder noch gesunde Früchte hervorbringen? Diese Frage hat mich zu einem Interview mit einer Expertin für Nahrungsqualität inspiriert. Weiterlesen bei Medien plus

Neue Regeln beim Düngen: Landwirte in Nöten

Ein Bericht von mir in der Zeitung zu einem landwirtschaftlichen Thema: Gülle soll weniger stinken. Moderne Maschinen müssen her – um die Düngeverordnung zu erfüllen. Die Folge: Exkremente im Futtertrog und Geldsorgen. Ein Besuch bei den Wurzeln unserer Nahrungsmittel. Und ein Hinweis auf Alternativen im Umgang mit dem Ammoniakproblem. Weiterlesen in der Berliner Zeitung →

Goldener Oktober

Die Schatten sind länger geworden. Im flachen Winkel fällt das Licht durch die Baumwipfel – ein Mittag im späten Herbst. Das Ohr vernimmt ein tiefes Brummen von links: Hummelköniginnen tauchen ihren Rüssel in den süßen Nektar der Braunelle. Mit seinem kräftigen Lila zieht der Lippenblütler auch Wanderers Auge in seinen Bann. Vor allem jetzt, wo die Vegetation in einem Strohfeuer verschmilzt, um dem weißen Winter Platz zu schaffen.

Wer sich etwas Zeit nimmt, der spürt dieses verbindende Element allen Seins. Dem ewigen Ruf der Schönheit folgend geht die Natur in den Schlaf über. In den tiefsten Nächten träumt sie dann unter dem Sternenhimmel von … »Tiitütüü!«, unterbricht ein Vogel. Der Geist kehrt in die Gegenwart zurück.

Die Flugfauna äußert sich zaghafter im fortgeschrittenen Jahr. Die fröhlichen Lieder sind ausgeklungen. Dafür schenkt die Sonne Wärme. Und Marienkäfer landen auf Arm und Bein. Dreizehn, vierzehn, fünfzehn … So viele Punkte auf dem Panzer – man kann sie gar nicht zählen, eh das Insekt seine roten Flügel wieder ausgebreitet hat.

Erneut fährt der Wind durchs Haar. Ein Konfettiregen löst sich aus dem Dach der Buche. Im Lichtstrahl Helios’ segeln die Blätter zu Tausenden hernieder. Schützend legt sich das Laub auf die Erde. Der Mantel unter den Füßen knistert beim Durchwaten.

Vor dem tiefblauen Himmel richten die Bäume ihre rot-goldenen Kronen in die Lüfte. Espe und Salweide bleiben länger grün. Es ist eine Szene wie aus dem Bilderbuch … Plötzlich fallen Regentropfen. Hoch oben zieht eine dunkle Wolke vorüber. Die Sonne scheint weiter. Ein Waldbad im Oktober ist immer eine Erfrischung.