Kranz im Herbst

Aus Früchten und Blütenständen entsteht ein buntes Geflecht ohne künstliche Hilfsmittel.

Vor langer Zeit fertigte ich einen Adventskranz aus Tannenreis. Ein Strohring gab die Basis und Draht diente zum Binden. Auf diese Hilfsmittel wollte ich nun verzichten und probierte aus. Meine Grundlage sollte ein Ring aus Brennnesseln werden. Ich streifte die stechenden Blätter herunter und flocht aus drei Ruten eine Litze …

Es erschien zunächst schwer, reißfestes Material zu finden, um den Draht zu ersetzen. Denn viele Pflanzen brechen, wenn man sie knickt. Schließlich versuchte ich es mit einjährigen Weidentrieben. Lange Ruten finden sich an Wegrändern – dort, wo Sträucher oft gestutzt werden, damit sie nicht in die Straße wachsen.

Die Früchte und Blüten aus Wald und Wiese ließ ich 15 Zentimeter lang, im Bild Berberitzen:

Man legt das dünne Ende einer Weide auf den Kranz und bindet sie mit zwei Windungen mit sich selbst am Brennnesselstrang fest. Für den Anfang eignet sich langes Tannenreis. Denn wenn man den Kranz beendet, muss man die letzten Zweiglein unter dem Schutz der ersten verstecken; Früchte brechen dabei leicht ab. Sind die Zweige, mit denen man begonnen hat, nicht lang und dicht genug, bleibt der Abschluss für immer sichtbar.

Es macht Sinn, zu Beginn besonders viele Zweige aufzubinden. Man bewegt sich gegen den Uhrzeigersinn rückwärts. Weil Blüten und Blätter nachtrocknen, sollte man dicht an dicht arbeiten, sonst zeigen sich später Lücken. Die Zweige legt man links, rechts und oben am Brennnesselstrang an.

Braucht man eine Pause, weil die Hand wehtut, zieht man die Weide durch eine Schlinge fest. Bevor die Rute ihr Ende erreicht, legt man das Reststück auf den Brennnesselstrang und windet eine neue darüber.

Bald zeigt sich der Kranz in voller Pracht …

Die verwendeten Blumen:

  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Dost (Origanum vulgare)
  • Flockenblume (Centaurea …)

Sträucher mit roten Beeren:

  • Mehlbeere (Sorbus aria)
  • Hagebutte (Rosa …)
  • Weißdorn (Crataegus …)
  • Berberitze (Berberis vulgaris)

Außerdem darunter blaue Schlehenfrüchte (Prunus spinosa), Tannenreis (Abies …), Kiefernzweige mit Zapfen (Pinus sylvestris), Blütenkätzchen von der Haselnuss (Corylus avellana), Fruchtstände von Buche (Fagus sylvatica), Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und Waldrebe (Clematis vitalba), rotes Laub von Wolligem Schneeball (Viburnum lantana) und Hartriegel (Cornus sanguinea). Die Zweige von Tanne und Kiefer habe ich 10 Sekunden in kochendes Wasser getaucht, damit die Nadeln am Stängel bleiben.

Diesen Beitrag mit anderen Menschen teilen

Der Beitrag wurde veröffentlicht in Natur.

6 Leserbriefe zu „Kranz im Herbst

    • Oh, ich saß vielleicht sechs Mal eine halbe Stunde, um den Kranz zu binden. Macht drei Stunden fürs Binden. Dazu kommen drei Spaziergänge von je einer Stunde. Da habe ich das Material gesammelt. Wenn wir noch eine halbe Stunde für den Brennnesselstrang einrechnen, sind wir bei 6½ Stunden.

  1. Lieber Hakon,

    wie wunderschön in Farben, Blüten und Früchten ist dein Kranz geworden. Das vermag nur einer, dessen Herz so ganz verbunden ist!

    Hab großen Dank!
    Holde

    PS: Bin ein bissel wehmütig, weil ich mit Rollator gar nimmer durch die Natur strolchen kann, um solche Schätze zu finden.

Reichen Sie einen Leserbrief ein

Es gilt meine Datenschutzerklärung. Ich behalte mir die sinnwahrende Kürzung Ihres Texts sowie eine orthografische Korrektur vor. Wenn Sie keinen Namen angeben, erscheinen Ihre Worte anonym. Ihre E-Mail-Adresse wird generell nicht veröffentlicht und dient der Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Ihnen, falls ich Sie im Zusammenhang mit der Publikation des Leserbriefs kontaktieren möchte. Erforderliche Felder sind mit * markiert.