Lebende Häuser und eine Führung über den Krameterhof

Liebe Leser,

in meinem zweiten Rundbrief berichte ich kurz vom Seminar am Krameterhof letzten Mai und einer Exkursion nach Nordhessen, wo ich Konstantin Kirsch traf, einen Entwickler lebender Häuser.

Auf dem Weg ins Salzburger Lungau hatte ich das Glück, ab München mit einem Kursteilnehmer fahren zu können. Bei guter Verkehrslage dauert die Fahrt dann noch grob 3,5 Stunden. Mitte Mai (nach den Eisheiligen) stagnierten die Temperaturen auf dem 1300m hoch gelegenen Hof einige Grade über null.

Bei der Ankunft herrschte bereits Hochbetrieb, denn die Teilnehmer des diesjährigen Lehrgangs hatten ihre Ausbildung gerade erst begonnen.

Josef Holzer führte uns über seinen 45 Hektar umfassenden Hof und ließ uns an seinem Verständnis der Permakultur, also der dauerhaften, beständigen, permanenten und nachhaltigen Kultur, teilhaben; sie basiere auf drei Säulen, erklärte er: die erste bestehe darin, die Natur zu beobachten und in eine landwirtschaftliche Kultur zu übersetzen; die zweite, darauf aufbauende besage, man müsse damit auskommen, was einem das Land gibt (Stoff- und Energiekreisläufe müssen folglich funktionieren) und die dritte stehe für die Verantwortung seinen Handlungen gegenüber. Hier heiße es, sich zu hinterfragen, Entwicklungen zu beobachten, Fehler zu erkennen und sich einzugestehen als auch dann etwas zu ändern. Weiterlesen

Ein Kurs mit Sepp Holzer

Anfang April hatte ich die Gelegenheit, Sepp Holzer im Rahmen eines dreitägigen Kurses selbst kennenzulernen. Wir, eine Gruppe von etwa 35 Teilnehmern, hörten Sepp, begingen mit ihm den Holzerhof als auch den Wildniskulturhof von Judith Anger, stellten Fragen und besprachen von uns mitgebrachte Projekte.

Die Führung über den Wildniskulturhof.
Die Führung über den Wildniskulturhof von Judith Anger.

Sepp, jetzt 73 Jahre alt, ist so gefragt, dass er nicht einmal nach Ende eines Seminares (Sonntagnachmittag) ruht: punkt 16:00 Uhr die nächste Besprechung, montagmorgens nach Deutschland … Trotzdem bewirtschaftet er zusammen mit seiner Gattin erfolgreich den fast zehn Hektar (100.000m²) großen Holzerhof. An einem Nordhang findet man mehrere Hundert Obstbäume, teils überwuchert von über 20 verschiedenen Weinsorten. Nichts wird hier geschnitten, gedüngt oder gespritzt. Das Tor zum Wald steht offen; das Wild hat Zugang zur Anlage – es ist genug für alle da. Weiterlesen

Krautfunding für meinen Lehrgang zum Holzer´schen Permakulturpraktiker

Ich habe dank vielen Unterstützern von Mai 2017 bis Mai 2018 am Lehrgang zum Holzer´schen Permakulturpraktiker teilnehmen können. Der krönende Abschluss war die Vorstellung meiner Projektarbeit: eine Trockentoilette in Kombination mit einem Bidet, benutzbar im Sitzen und in der Hocke. Einen Aufsatz darüber habe ich hier veröffentlicht. Im Sommerbrief 2017 und mit zwei Artikeln zur Quellfassung in Niederösterreich und im Lungau habe ich aus dem Lehrgang berichtet. Meine Intention, an der Ausbildung teilzunehmen, legte ich in einer Videobotschaft im Februar 2016 dar:

Ein Klick auf das Vorschaubild führt Sie zum Video auf Youtube. Dort gilt die Datenschutzerklärung von Google. Beachten Sie auch meine eigene.

Beispiel Wasser

Mit der Abholzung der Urwälder begann die Viehhaltung. Überweidung brach die Grasnarbe immer weiter auf, was zu Erosion führte. Der Boden trocknete aus, da er ungeschützt war. Auch vom Sommerregen profitierte er kaum noch, denn das Wasser sickerte nicht in den Boden hinein, nein, es nahm den fruchtbaren, doch zu Staub zerfallenen Humus mit und stürzte sich in die Flüsse. Mit der Zeit entstanden Spalten – die Erde bekam Risse. Selbst lange anhaltende Regenfälle im Winter konnten dieser Entwicklung nichts entgegensetzen. Zwar blühte die Landschaft dann für kurze Zeit, trocknete im Sommer aber wieder aus. Von diesem Phänomen, das Wüstenbildung genannt wird, sind große Teile Südeuropas betroffen.

Tamera vor dem Bau der Seen 2007.
Tamera vor dem Bau der Seen 2007. (Bild: Simon du Vinage)

In Tamera, Südportugal, leitete Sepp Holzer 2007 zum Bau dreier Seen an. Er nennt sie Wasserretentionsbecken. Sie sind ohne jegliche künstliche Hilfsmittel abgedichtet (dazu reicht der breite Lehmdamm an der engsten Stelle des Tales) und reinigen sich durch ihre stetige Bewegung (Wind) sowie mithilfe der Uferpflanzen selbst.

Uferpflanzen am Krameterhof
Die Ufervegetation trägt zur Stabilisierung bei und reinigt das Wasser. (Bild: Krameterhof)

Alle drei Seen füllten sich rasch und helfen seither mit, eine kleine Oase zu erschaffen.

Der See in Tamera im Frühjahr 2013.
Der See in Tamera im Frühjahr 2013. (Bild: Simon du Vinage)

Zur Philosophie der Permakultur: was Permakultur ist und was sie nicht ist

»Permakultur« (permanent agriculture) heißt dauerhafte Landwirtschaft. Und von Dauer ist nur, was im Gleichklang mit der Schöpfung ist. Darum …

  • werden in der Permakultur keine Elemente ausgeschlossen. Sonnen- und Mondkräfte, Wasser, Erde, Luft, Feuer … Alle wirken mit.
  • sollte eine Kultur die Erde nicht ausnutzen. In der Permakultur nimmt diese wieder ihren Platz als Mutter alles Lebendigen ein. Sie ist wirklich das Urweibliche selbst – die fruchtbare Erde, die die Grundlage für alles Gedeihen legt.
  • ist eine Permakultur von Beikräutern geprägt. Ich spreche bewusst von Beikräutern, denn es handelt sich nicht um Unkräuter. Kulturpflanzen leben in Symbiose mit den Wildpflanzen, sie unterstützen sich gegenseitig und profitieren voneinander.
  • werden in der Permakultur alle Wesen, Pflanzen, Tiere und Steine geachtet. Man gewährt ihnen Raum.
  • besteht eine Permakultur aus funktionierenden Kreisläufen.
  • richtet sich der Permakulturpraktiker nicht gegen die Natur, beutet sie nicht aus; im Gegenteil, schließlich gewinnen alle mehr, wenn es Tier und Pflanze gut geht.
  • kennt man in der Permakultur keine Schädlinge. Die Schuld an großen Ernteausfällen ist nicht Pilzen, Ungeziefer, Milben oder Wildschweinen zu geben. Schädlinge sind Warnungen der Natur, dass etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
  • setzt man auf Vielfalt statt Einfalt, denn gemeinsam geht es besser als einsam.
  • kann eine permanente Kultur nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Alle Elemente erfüllen nicht nur mehrere Funktionen, sondern werden auch von mehreren Elementen getragen.
Schweine auf dem Krameterhof.
Schweine auf dem Krameterhof. (Bild: Krameterhof)