Quellfassung in Niederösterreich

Anfang Oktober war ich mit dem Lehrgang bei einer Familie in Niederösterreich zu Gast. Wir haben dort eine Quelle gefunden und gefasst. Im Folgenden eine Beschreibung, wie es uns gelang:

Wir standen auf der Hügelkuppe, schauten nach links, nach rechts – hier fällt der Regen, sickert ein, trennt sich und geht verschiedene Wege; das ist die Wasserscheide. Wir folgten dem Wasser talabwärts Richtung Süden, weil diese Seite des Hangs zum Hof gehört. Schwarzerlen, Eschen oder die Waldrebe verrieten uns, dass wir auf dem richtigen Pfad waren; sie zeigen Feuchtigkeit an. Wir hatten die Waldgrenze erreicht und stiegen in die Wälder ab. Bald schon stießen wir auf einen kleinen, wasserführenden Graben. War das Regenwasser? Wo kam das Rinnsal her? Und siehe da, es floss aus der Böschung heraus.

Am nächsten Tag wollten wir unsere Vermutung überprüfen, dem Wasser nachgraben. Ein kleiner Bagger hätte es auch getan, aber der 16 Tonnen schwere war eben schon vorhanden; er gehört zum Fuhrpark. Josef stand mit einer Schaufel im Graben, ein Lehrgangsteilnehmer lenkte den Bagger und die anderen blieben in sicherer Entfernung. Der Bagger wurde so positioniert, dass er einen sicheren Stand hatte, aber gleichzeitig so arbeitete, dass er nicht quer zum Hang Erdreich abtrug, sondern möglichst in den Hang grub. Dadurch wird die bergseitige Wand der Baugrube weniger belastet. Jetzt stach der Böschungslöffel in den Boden ein, reiste Jahrhunderte in die Vergangenheit, erhob sich wieder und türmte die Erdmassen an einem anderen Ort auf. Josef suchte nach jeder Grabung mit der Schaufel nach dem Verbleib des Rinnsals und achtete mit peinlicher Genauigkeit darauf, dass die Erde immer auf der Höhe des Wassers abgegraben wurde und nicht tiefer. Immer wieder musste der Bagger das Bachbett nachziehen, damit Josef nicht im Sumpf verschwand. Allmählich kamen wir tiefer in die Böschung hinein und entdeckten eine bläuliche Bodenschicht. Blau bedeutet, dass der Boden keine Luft bekommt – erst in Verbindung mit Sauerstoff wird er braun. Außerdem war er schmierig und fest und knirschte nicht zwischen den Zähnen. Sandkörner haben eine Größe von 0,063 bis zu 2 mm und knirschen; wir mussten es wohl mit etwas Feinerem zu tun haben: mit Schluff- (0,002 bis 0,063 mm) und Tonanteilen (kleiner als 0,002 mm). Diese Feststellung war das Signal dafür, dass wir eine Quelle entdeckt hatten.

An einer Quelle tritt Grundwasser an die Oberfläche. Wir hatten eine Schichtquelle entdeckt, bei der die blaue, grundwasserstauende Bodenschicht im Graben mit dem Oberboden verschneidet und das Quellwasser darüber austritt. Es gibt viele denkbare geologische Gegebenheiten, die beispielsweise Grundwasser aufstauen und zum Überlaufen bringen (Überlaufquelle) oder unter Druck setzen und durch eine Stauschicht ausbrechen lassen (artesische Quelle, Stauquelle).

Nachdem der Bagger eine Zeit lang der Quelle nachgegraben hatte, stellten wir fest, dass die Höhe des Quellaustritts jetzt entsprechend der Neigung des Hangs anstieg. Wenn wir die Quelle nicht untergraben wollten, würden wir wohl keine tiefere Stelle mehr finden, um die Quelle zu fassen. In der Tiefe von 3 Metern unter der Erdoberfläche gab es aber immer noch viele feine Wurzeln; darum folgten wir dem Wasser noch etwas weiter, fanden aber keine bessere Stelle mehr. Wir hatten der Quelle von ihrem ursprünglichen Austrittspunkt nun mindestens 4 Meter bergwärts auf der Stauschicht nachgegraben. Der Bagger durfte jetzt Pause machen, die Quellfassung erfolgte von Hand.

Folgende Werkzeuge kamen zum Einsatz: Schaufel, Locheisen, Spitzhacke, Wiedehopfhaue, Schwanberger Haue, Zimmermannshammer, Schäufelchen, Gartenhacke und Handgrubber. Ich hatte außerdem beinhohe Gummistiefel (Teichstiefel) an … aber gute Kleidung. In der Baugrube stehend machten wir mit unseren Hilfsmitteln eine halbmondförmige Öffnung – etwa so wie die von einem schönen holzbefeuerten Kachelofen – in den Hang. Vielleicht etwas mehr als einen halben Meter in der Höhe, breiter als hoch und immer ohne die Stauschicht zu verletzen. So verfolgten wir die Quelle etwa 1,5 Meter in die Tiefe, bis fast ein Mensch mit den Füßen darin verschwunden wäre. Die feinen Haarwurzeln von den Bäumen haben wir entfernt und den Hohlraum mit Wassereimern bis in die letzte Ecke ausgespült. Dann nahmen wir ein 2-Zoll-Wasserrohr aus Kunststoff von der Rolle, streckten es und legten es in die kleine Höhle. Die Rohröffnung verschlossen wir mit einem gut passenden Stein. Das Rohr wurde, die ersten 15 Zentimeter auslassend, mit einem 8mm-Bohrer gesiebt: in kleinen Abständen auf der Oberseite, durch die Mitte durch und je eine Bahn rechts und links zwischen Mitte und Oberseite. Das Rohr war so durchlässig für das Wasser, aber nicht für den Kieß, mit dem wir die Höhle später ausfüllen würden. Von der Öffnung, der Höhlenkante ab rechneten wir 30 Zentimeter für den Damm ein. Wir machten in die blaue Schicht eine leichte Vertiefung für das Rohr und platzierten es so, dass der gelochte Bereich in 30 Zentimetern Tiefe in der Höhle begann.

Ein Teil der Gruppe hatte bereits Hunderte Lehmbälle geformt, mit denen wir jetzt den Damm aufbauten. Das Rohr verlief leicht abfallend aus der Höhle heraus, wurde aber auch auf eine Lehmschicht gebettet und damit in den Damm eingebaut. Bei der Arbeit verwendeten wir Stiefel, Faust und Hammer. Als der Damm 10 Zentimeter Höhe erreicht hatte, holten wir gewaschenen 16/32er Rundkies (16 bis 32 mm). Den schoben wir in die hintersten Ecken, füllten alle Hohlräume aus, die wir erreichten, um sicherzustellen, dass später nichts einstürzt. Dann bauten wir den Damm weiter auf, füllten abwechselnd Kies nach und schlossen die Öffnung schließlich. Die Dammkrone verband sich fest mit dem gewachsenen Boden oberhalb und befand sich natürlich auf der Höhleninnenseite. Der ganze Damm besaß eine Neigung nach innen gleich dem Berghang, damit das Regenwasser von außen an der Fassung vorbeilaufen kann. In der Höhle hatte sich das Wasser bereits aufgestaut und lief nun zum Rohr hinaus. Mit einer ersten Messung stellten wir eine Schüttung von 3 Litern pro Minute fest.

Am dritten Tag versenkten wir den Quellschacht. Den geeigneten Ort dafür mussten wir zunächst vermessen. Das Nivelliergerät (ein starkes Vergrößerungsglas mit Fadenkreuz auf einem schwenkbaren Stativ) stellten wir oberhalb der Quellfassung auf, ein anderer hielt die Messlatte unten in der Grube stehend. Wir maßen 3,98 Meter. Dann maßen wir mit dem Zollstock die Höhe des Quellschachts vom Boden bis zum Deckelrand. 90 Zentimeter. Der Mann an der Messlatte folgte dem Bachbett hinunter und wir maßen wieder: Das Fadenkreuz kratzte an der Marke 4,95 Meter. Das war genug, 90 Zentimeter tiefer mussten wir sein. Das Loch für den Schacht machte wieder der Bagger. Der Schacht wurde nicht in das ehemalige, sumpfige Bachbett gesetzt, sondern daneben in die Böschung. Als die notwendige Tiefe erreicht war, bereiteten wir ein Bettchen aus Humus und Schotter und hoben den Schacht hinein. Es war ein Kleinquellschacht aus Kunststoff mit einem Fassungsvermögen von 105 Litern:
QuellschachtMit einer 2-Zoll-Lochsäge bohrten wir 5 Zentimeter oberhalb des Wasserspiegels bei Überlauf das Loch für den Zulauf. Die Löcher am Schacht müssen immer an den ebenen Flächen gemacht werden, weil an runden die Verbindung undicht bleibt. Das Rohr von der Quelle wurde so geführt und eingegraben, dass es gerade und leicht abfallend in den Quellschacht führt. Eine Quelle muss immer frei fließen können und darf nicht zurückgestaut werden. 10 Zentimeter oberhalb des Bodens vom Quellschacht installierten wir ein 1-Zoll-Rohr für die Wasserentnahme. Durch den Filterkorb auf der Innenseite können keine gröberen Steinchen in das Rohr gelangen. Die üblichen Quellfassungen haben eine Froschklappe am Ende des Überlaufrohrs. Amphibien überwintern nämlich am warmen Quellursprung und würden gerne in das Rohr klettern. Wir wollten ihnen die Möglichkeit dazu geben und haben an den Überlauf ein Auslaufrohr angeschlossen, das auf der Unterseite links und rechts alle 30 Zentimeter ein 1-Zoll-großes Loch besitzt. Das Rohr, das ins Bachbett führt, wurde eingebettet in Gesteinsbrocken. Zwischen den Steinen und im Rohr ist damit ein Winterquartier nahe dem warmen Wasser entstanden. Das senkrechte Überlaufrohr im Schacht, das für Amphibien nicht erklimmbar ist, kann man abziehen, um das abgesetzte Sediment hinauszuspülen. Mit der ersten Probespülung schwemmten wir bereits einen Frosch aus der Leitung. Die Schläuche packten wir in Lehm ein, den Schacht hinterfüllten wir mit feinem Material, das Rohr am Damm der Quellfassung hatten wir bereits mit Lehm und Felsbrocken gesichert; dann wurde alles zugebaggert und verdichtet.

Das Umweltbundesamt in Deutschland empfiehlt den Quellschacht so einzubauen, dass mindestens die oberen 25 Zentimeter hinausschauen. Dann fällt beim Aufschrauben des Deckels kein Laub hinein und Regenwürmer verirren sich nicht. Unser Schacht hatte sogar einen Zwischendeckel, der die Blätter auffangen kann. Außerdem empfiehlt es den Bereich 20 Meter aufwärts von der Quellfassung einzuzäunen, um Tiere fernzuhalten, deren Mist das Wasser beeinträchtigen könnte. Es sollen im Umkreis von 20 Metern keine Gehölze wachsen, weil sie mit den Wurzeln in die Fassung hineinwachsen könnten. Ein Baum bildet ständig neue Wurzeln und stößt alte ab. Bei der Verrottung der Wurzeln gelangt organisches Material in die Quelle und es entstehen kleine Poren, die Oberflächenwasser (Regenwasser) in die Quellfassung führen können. Ich würde eine Bienenweide einsäen.

Der Quellschacht besitzt übrigens den ganz wichtigen Kamin mit Regenschutz und Insektengitter. Wenn man Wasser abpumpt, wird das Vakuum (der frei gewordene Raum) mit Luft durch den Kamin gefüllt; andernfalls würde ein Sog die Quelle beeinträchtigen. Durch das Rohr, das Wasser von der Quelle führt, findet auch ein Luftaustausch mit der Fassung statt, sonst gäbe es einen Unterdruck und das Wasser flösse stoßweise. Durch die obersten Löcher des Rohres hinter dem Damm wird Luft ausgetauscht.

Wir haben das Quellwasser auch gemessen. Die Temperatur (10,5 °C), den Salz- bzw. Natriumchloridgehalt (0,03 %), den pH-Wert (7,35) und die elektrische Leitfähigkeit (0,55 Milisiemens / cm). Der letzte Wert gibt ungefähr Aufschluss über die Sättigung des Wassers mit gelösten Teilchen. Im Moment ist er noch hoch, man muss dazu sagen, dass wir den Kies eben nicht gewaschen hatten. Am besten ist gewaschener Flusskies (runder Kies reinigt sich besser, kantiger hat bessere statische Eigenschaften). Manche Elemente leiten gar keinen Strom und werden so nicht erfasst, man hat aber trotzdem einen Anhaltspunkt, wie viel im Wasser ist. Wenn Trinkwasser an Teilchen wenig gesättigt ist (0,1 Milisiemens), kann es die Körperzellen reinigen, indem es sich an die auszuschwemmenden Stoffe bindet. Mit aussagekräftigen chemischen und biologischen Analysen sollte man nach der Fassung einen Monat warten. Im Einzugsgebiet der Quelle sollten möglichst keine Maisäcker stehen, keine Gülle, eine geringe Dichte bei den Weidetieren, dafür aber viel Humus und ein sehr aktives Bodenleben. Quellen brauchen also Permakultur und unsere Hände. Wie lange das eingesickerte Regenwasser im Boden verbringt, bis es austritt, kann man in etwa einschätzen, indem man das Jahr über die Schüttung und die Temperatur misst, insbesondere nach Regenfällen und in Trockenperioden. Wenn man die Ergebnisse mit dem Niederschlag und den Tagesmitteltemperaturen vergleicht, die Verdunstung einrechnet, dann weiß man zumindest oder immerhin, wie lange es dauert, bis sich ein Klimaextrem auswirkt. Eine Quelle, die im Sommer versiegt, hat ein zu kleines Einzugsgebiet. Quellwasser sollte mindestens eine zweimonatige Reise durch die Erde gemacht haben.

Den Punkt der Quellfassung sollte man unbedingt markieren, am besten mit einem Felsen; wenn es mal zu Windwurf kommt (ein Sturm den Wald verwüstet), findet man sich schlechtenfalls gar nicht mehr zurecht. Die Schüttung unserer Quelle kann mit der Zeit zunehmen, wenn das Wasser den leichtesten Weg nimmt. 3 Minutenliter klingt vielleicht nicht viel, aber an einem Tag sind das 4000 Liter. Der durchschnittliche häusliche Wasserverbrauch liegt pro Familienmitglied bei weniger als 150 Litern. Üblicherweise werden Quellschächte betoniert oder, vor allem bei kleinen Quellen, Kunststoffmodelle verwendet. Früher wurden wohl Holzschächte gebaut, die auf Dauer nicht wurmdicht gewesen sein sollen und wahrscheinlich schneller ausgetauscht werden mussten. Edelstahl ist eher kostspielig. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man einen Schacht wie einen Lehmdamm aufbauen könnte. Im oberen Bereich würde man einen Ring einziehen, der an der Oberkante ein Gewinde besitzt, um verschlossen werden zu können. Das Wasser der Quelle, die wir gefasst haben, fließt jetzt erstmal durch den Überlauf ab; in Zukunft könnte es auf einer Pferdeweide im Tal als Tränke dienen.

Кто воду пьёт из родника, тот будет счастлив на века.

Wer Wasser aus der Quelle trinkt, wird für immer glücklich sein.