Permakultur

Beispiele aus der Holzer´schen Permakultur

Apfelbaum: In der Regel werden Obstbäume geschnitten, dabei könnte man sich die Arbeit sparen. Schneiden verursacht Stress für die Bäume, führt zu einem Energieüberschuss, der den Baum zum Austreiben von Wassertrieben verleitet, begünstigt Frostschäden und endet in steifen Ästen, die von der Last des Schnees bedroht sind. Sepp Holzer schneidet seine Obstbäume von Anfang nicht. So biegen sich die fruchtbeladenen Äste zum Boden, stützen sich gegenseitig und lassen Licht in die Krone. Durch die höhere Blattoberfläche ist nicht mit geringerem Ertrag zu rechnen, auch Schäden wegen Schneebruchs sind eher unwahrscheinlich. Am besten finde ich, dass der Stamm des Baumes bei dieser Methode nicht des Schutzes vor Wildverbiss bedarf – die herabgesenkten Zweige bewahren ihn davor.

Schwein: Zu den ganz wichtigen Mitarbeitern gehören die Schweine. Sie fressen Schnecken, Fallobst und Wurzelwerk.

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Schweine auf dem Krameterhof. (Bild: Krameterhof)

Als Pflüge und Düngerstreuer sind sie unerlässlich, vor allem aber in felsigen Regionen und Steillagen, wo maschinelles Pflügen gar unmöglich ist.

Biene: Honigbienenvölker leisten einen wertvollen Beitrag zur Bestäubung vieler Kultur- und Wildpflanzen. Die meisten Obstbäume sind heute größtenteils auf sie angewiesen. Mittlerweile finden Bienen kaum noch eine ausreichende Tracht vor. Die Vielfalt ist stark zurückgegangen. In flur“bereinigten“ Landstrichen muss die Biene sich mal von der Obstblüte, mal vom gelben Raps ernähren. Sind diese Monokulturen verblüht, muss sie hungern. Imker fahren ihre Völker dann zu anderen Feldern, wilde Bienen müssen selbst nach sich sehen. Die Fläche der englischen Tieflandheuwiesen beispielsweise hat „sich“ in den letzten 100 Jahren um 98% reduziert.
Die wilde Permakultur ist ideal für Bienen aller Art, das „mysteriöse“ Bienensterben gibt es hier nicht.
Zur Reduktion von Milben setzt Sepp Holzer übrigens Kräuter, wie Rosmarin, Thymian oder Quendel, ein, welche vor den Stock der Honigbienen gepflanzt werden. Fliegen diese hindurch, nehmen sie die ätherischen Öle auf und verbreiten den Duft in der Beute. Das so entstehende Milieu erweist sich für Milben als ungeeignet.

Wasser: Mit der Abholzung der Urwälder begann die Viehhaltung. Überweidung brach die Grasnarbe immer weiter auf, was zu Erosion führte. Der Boden trocknete aus, da er ungeschützt war. Auch vom Sommerregen profitierte er kaum noch, denn das Wasser sickerte nicht in den Boden hinein, nein, es nahm den fruchtbaren, doch zu Staub zerfallenen Humus mit und stürzte sich in die Flüsse. Mit der Zeit entstanden Spalten – die Erde bekam Risse. Selbst lange, anhaltende Regenfälle im Winter konnten dieser Entwicklung nichts entgegen setzten. Zwar blühte die Landschaft dann für kurze Zeit, trocknete im Sommer aber wieder aus. Von diesem Phänomen, das Wüstenbildung genannt wird, sind große Teile Südeuropas betroffen.

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Tamera vor dem Bau der Seen 2007. (Bild: Simon du Vinage)

In Tamera, Südportugal, leitete Sepp Holzer 2007 zum Bau dreier Seen an. Er nennt sie Wasserretentionsbecken. Diese sind ohne jegliche künstliche Hilfsmittel abgedichtet (dazu reicht die natürliche Lehmschicht) und reinigen sich durch ihre stetige Bewegung (Wind) sowie mithilfe der Uferpflanzen selbst.

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Die Ufervegetation trägt zur Stabilisierung bei und reinigt das Wasser. (Bild: Krameterhof)

Alle drei Seen füllten sich rasch und helfen seither dabei mit, eine kleine Oase zu erschaffen.

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Tamera im Frühjahr 2013. (Bild: Simon du Vinage)

Wärmefalle: Am Krameterhof gibt es über 70 Seen und Tümpel. Sie werden nicht nur durch eigene Quellen gespeist, sondern tragen sogar dazu bei, dass neue Quellen entspringen. Schließlich führt ein kluges Wirtschaften in Sachen Wasserhaushalt zu einem Anstieg des Grundwasserpegels. Obwohl der Krameterhof in 1100-1500m Höhe liegt (und dazu noch im Sibirien Österreichs, dem Salzburger Lungau), können hier auf einer windgeschützten Terrasse Zitronen, Kirschen, Trauben und Kiwis geerntet werden. Dabei behilflich sind unter anderem kleine Teiche, welche als Sonnenfalle dienen; das heißt, das Wasser dient als Spiegel des Lichts – so haben es wärmebedürftigere Gewächse deutlich gemütlicher. Von kleinen und großen Felsen, die sich tags erwärmen, profitieren die Pflanzen sogar nachts.

Zur Philosophie der Permakultur: Was Permakultur ist und was sie nicht ist
Permakultur (permanent agriculture) heißt dauerhafte Landwirtschaft. Und von Dauer ist nur, was im Gleichklang mit der Schöpfung ist. Darum …

  • werden in der Permakultur keine Elemente ausgeschlossen. Sonnen- und Mondkräfte, Wasser, Erde, Luft, Feuer … Alle wirken mit;
  • sollte eine Kultur die Erde nicht ausnutzen. In der Permakultur nimmt diese wieder ihren Platz als Mutter alles Lebendigen ein. Sie ist wirklich das Urweibliche selbst – die fruchtbare Erde, welche die Grundlage für alles Gedeihen legt;
  • ist eine Permakultur von Beikräutern geprägt. Ich spreche bewusst von Beikräutern, denn es handelt sich nicht um Unkräuter. Kulturpflanzen leben in Symbiose mit den Wildpflanzen, sie unterstützen sich gegenseitig und profitieren voneinander;
  • werden in der Permakultur alle Wesen, Pflanzen, Tiere und Steine geachtet. Man gewährt ihnen Raum;
  • besteht eine Permakultur aus funktionierenden Kreisläufen;
  • richtet sich der Permakulturpraktiker nicht gegen die Natur, beutet sie nicht aus, im Gegenteil; schließlich gewinnen alle mehr, wenn es Tier und Pflanze gut geht;
  • kennt man in der Permakultur keine Schädlinge. Die Schuld an großen Ernteausfällen ist nicht Pilzen, Ungeziefer, Milben oder Wildschweinen zu geben. Schädlinge sind Warnungen der Natur, dass etwas aus dem Ruder gelaufen ist;
  • setzt man auf Vielfalt statt Einfalt, denn gemeinsam geht es besser als einsam;
  • kann eine permanente Kultur nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Alle Elemente erfüllen nicht nur mehrere Funktionen, sondern werden auch von mehreren Elementen getragen.

Und Permakultur benötigt, solange sie nicht zerstört wird, keinerlei Maschinenkraft. Sie ist möglich in extremen Steillagen, Ländereien im Vorwüstenstadium, Gerölllandschaften, Steppen und selbst in polaren Regionen. Sie ist überall da möglich, wo Erde, Wasser und Licht noch vorhanden sind.

Hakon von Holst, 2016