Am Wasser kann man alles messen

Friedensreich Hundertwasser hat sich einmal gefragt, warum wir zwar Gott danken für unser täglich Brot, aber nicht beten, auf dass sich das, was durch den Magen ging, wieder in Erde umwandle. Was vor den Zeiten von Wassertoilette und Schwemmkanal war, ist gar nicht so einfach herauszufinden. Aufzeichnungen gibt es aus den Städten, aber dort lebte einmal nur ein Bruchteil der Bevölkerung. In den ländlichen Stadtteilen und auf dem Land hat es aber auf jeden Fall das Plumpsklo, mit oder ohne Abdichtung zum Boden hin, gegeben. Konnte die Flüssigkeit versickern, bot sich das Zweigrubensystem an: Ein Jahr lang hockte man über der linken Grube, im nächsten über der rechten. In dieser Zeit konnte der Grubeninhalt vom Vorjahr kompostieren, bevor er ausgeräumt wurde und alles von vorne begann. Wurde die Flüssigkeit aber daran gehindert, ihren Weg Richtung Grundwasser zu suchen, musste man regelmäßig Hand anlegen und das Unaussprechliche ausheben. Auch noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts rückten auf dem Land Dienstleister an – man nannte sie liebevoll Scheißefahrer –, pumpten die Gruben leer und brachten alles auf die Felder. Außerdem soll es auch Abtritte über dem Saustall gegeben haben, wobei die Feststoffe von den Sauen gefressen wurden. Wo man aber den Bezug zur Natur gänzlich verloren hatte, hielten entsprechende Zustände Einzug:

»Das wunderschöne, romantische Bild von Wall und Wehrgang, von hohen Giebeln und gotischen Türmen ergänzte sich durch einen beispiellosen Schmutz. Die antiken Stadtwesen schwemmten wenigstens ihren Unrat weg, den mittelalterlichen fiel das aber nicht im entferntesten ein. Es gab zwar Gossen als eingetiefte Längsrinne in der Straßenmitte. Aber die mündeten nicht in unterirdische Ablaufkanäle, höchstens daß die eine oder andere einmal in die faulenden Gewässer des Stadtgrabens überfloß. Soweit Stadtbäche vorhanden waren, benützte man sie zum Trinken, Bleichen und Waschen, und die Gerber und Färber nahmen sie für sich in Anspruch. […] In dasselbe Wasser, das ein paar Gossen weiter für die Küche geschöpft wurde, warf man oft genug tote Hunde, Katzen und Schweine und Abhub aller Art hinein. Auch Nachttöpfe und Leibstühle wurden dorthin ausgegossen.« Annie Francé-Harrar¹

Im August 1539 erhob König Franz I. die französische Sprache zur alleinigen Verwaltungssprache in Frankreich.² Im November, nur ein paar Monate später, erließ er ein Edikt, das untersagte Kot, Mist und Unrat auf die Straßen zu werfen. Alles musste von nun an gesammelt und von Paris aufs Land gebracht werden. Dieses Gesetz war somit auch eines der ersten, das nicht mehr auf Latein, sondern in einer für alle verständlichen Form abgefasst war.³

Hier eine Schilderung von Max von Pettenkofer, 1855, mehr als dreihundert Jahre später, über die Sitten in München:

»Einige wenige Häusergruppen in München haben Gelegenheit, sich weniger kostspielig ihres Ballastes zu entledigen, nämlich diejenigen, welche an fließenden Bächen liegen. In der Nähe von diesen befinden sich auch viele Quartiere, welche keine Abtritte und Gruben, sondern nur Nachtstühle haben und diese an die Bäche tragen und dort entleeren. Hie und da trifft man auch solche Kübelquartiere in wasserlosen Theilen der Stadt, wo der Unrath dann in gemeinschaftliche Gruben entleert wird.«

Pettenkofer fügte an, dass die Gruben sämtlich nicht in der Art gemauert seien, dass sie das umliegende lockere Erdreich vor Verunreinigung […] schützen könnten. Man strebe in München sogar nach dem Gegentheile davon: denn was flüssig werde und aussickere, erfordere ja keine Kosten der Fortschaffung. Der Grubeninhalt wurde landwirtschaftlich verwertet. Wer die Gruben leerte, musste aufpassen nicht an den Gasen zu ersticken. Brunnen in der Nähe von Abtritten sickerten viele Nährstoffe zu.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Städte mit Schwemmkanälen unter dem Erdboden ausgestattet. Dazu zählte auch München. Alternativen wie das Tonnensystem mit Abholung in Heidelberg oder die Vakuumpumpstation von Liernur im Amsterdam konnten sich nicht durchsetzen. Beide hatten sie gemeinsam, dass das Schwarzwasser aus den verhäuslichten Toiletten nicht mit den anderen Abwässern vermischt und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt wurde. Eines der Probleme war die Verdünnung durch Spülwasser.

Die Erde umgibt eine dünne Schicht fruchtbaren Bodens, teilweise nur wenige Zentimeter dick, aber sie fließt unablässig durch Kanäle in Flüsse, wo sie sich mit Industrieabwässern trifft, und dann ins Meer. Die Flüsse sind Kanäle geworden, begradigt und besitzen keine Auslandungsflächen mehr. Was durch den Magen gegangen ist, gilt als unrein, krankmachend und gewässerschädigend. Aber die Rückführung vom Verdauten ist unerlässlich für den Erhalt und den Aufbau der dünnen Humusschicht. Ohne sie flössen alle Wässer ungefiltert durch den Boden, überhaupt gäbe es keine Pflanzen und der Wasserkreislauf würde zusammenbrechen. Die Huminstoffe, die aus der Zersetzung von etwas Abgestorbenem entstehen, können sich mit dem zwanzigfachen ihres Eigengewichts mit Wasser sättigen.⁵ Ein fruchtbarer Boden hat große Bedeutung für die Gesundheit von Mensch und Tier. Sir Albert Howard, der als Pionier der biologischen Landwirtschaft gilt, beschreibt seine Erfahrungen aus Indien folgendermaßen:

»Meine Arbeitstiere wurden sehr sorgfältig ausgewählt und alles Erforderliche unternommen, um sie mit einer geeigneten Stallung, mit frischem Grünfutter, Silage und Körnern zu versorgen, die alle auf fruchtbarem Boden erzeugt waren. Ich war natürlich stark daran interessiert, das Verhalten dieser gut ausgewählten und wohlgenährten Ochsen gegen Krankheiten, wie Rinderpest, Septikämie und Maul- und Klauenseuche, die häufig die ländlichen Gebiete verwüsten, zu beobachten. Keines meiner Tiere wurde abgesondert, keines wurde geimpft. Sie kamen häufig in Berührung mit erkranktem Vieh, da mein kleiner Hof nur durch eine niedrige Hecke von einem der größten Rindviehställe des Pusa-Gutes getrennt war, in dem Ausbrüche von Maul- und Klauenseuche oft vorkamen. Ich habe sogar mehrere Male gesehen, daß meine Ochsen und maul- und klauenseuchekranke Tiere sich gegenseitig beleckten. Nichts ereignete sich. […] keine Ansteckung fand statt.«

Der Bioland-Verband fußt auf den Arbeiten von Hans Peter Rusch, dem Ehepaar Müller und Mitstreitern. Für Rusch war die Qualität, die biologische Wertigkeit des Bodens und damit der Pflanzen, die auf ihm wuchsen, wichtiger als der Ertrag. Auf den beobachteten Höfen in Umstellung auf den Humuslandbau sanken die Tierarztkosten inner fünf bis neun Jahren um durchschnittlich 31,7 %. Gleichzeitig sanken die Ausgaben für Futtermittel um über 20 %, für biologische Spritzmittel um fast 80 %. Bei den restlichen veterinärmedizinischen Kosten handele es sich fast nur noch um Honorare für gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen und zwangsweise durchgeführte Maßnahmen.⁷

1869 ging in Danzig das erste deutsche Abwasserrieselfeld in Betrieb. Das verschmutzte Wasser wurde weiträumig versprüht und sickerte in den Boden, wo es von Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen gereinigt werden konnte. Der weiträumigen Ausbreitung dieser Lösung stand zum Beispiel der hohe Flächenbedarf entgegen. 1887 nahm das erste Klärwerk Deutschlands in Frankfurt-Niederrad seine Arbeit auf.⁸ Die Schmutzwelle des Rheins – gemessen an der Schwermetallbelastung und dem Gehalt organischer Verbindungen (mit dem Element C, Kohlenstoff) – erreichte aber erst in den 70er Jahren ihren Höhepunkt.⁹ Erst 1974 bekam die heute angeblich größte zusammenhängende chemische Produktionsstätte – mit einer Ausdehnung von 10 Quadratkilometern – in Ludwigshafen am Rhein eine Kläranlage. In den ersten beiden Jahren reinigte sie im Durchschnitt 450.000 Kubikmeter (grob 450 Millionen Liter) Schmutzwasser am Tag.¹⁰ Einen Anteil an dieser Menge hatten auch die Abwässer der Stadt.

Der Bau der Kanäle und Klärwerke brachte vielen Gemeinden Schulden und damit ihren Einwohnern den Anschluss- und Benutzungszwang, weil die Gebühreneinnahmen zur Kostendeckung benötigt werden. Das gilt ganz oft auch dann, wenn der Hausherr eine eigene und besser funktionierende Reinigungsanlage besitzt wie zum Beispiel einen Pflanzenklärteich. Jens Kalkhof kann ein Lied davon singen (und Bass und Schlagzeug dazu spielen). Ein paar Beispiele:

»Die am höchsten verschuldete Gemeinde Österreichs ist gleichzeitig die kleinste: Gramais in Tirol. 35.546 Euro Schulden hatte jeder der 47 Einwohner auf Gemeindeebene, insgesamt 1,66 Millionen Euro im Jahr 2016. Die hohen Schulden seien durch die Errichtung eines Kleinwasserkraftwerkes und einer Abwasserentsorgung entstanden, sagt Bürgermeister Michael Fasser.« DOSSIER.at¹¹

Die Ausgaben für die Unterhaltung der Abwasserbeseitigung beliefen sich in Gramais 2016 auf 56.440 Euro (eine geringere Summe als in den Vorjahren).¹² Ramingstein mit etwas über 1100 Einwohnern kostete dasselbe 229.334 Euro.¹³ Das waren gerundet 10 % der Gesamtausgaben 2016. Im Gemeindefinanzbericht des österreichischen Gemeindebunds von 2014 erfährt man sogar Folgendes:

»Die Gebühreneinnahmen der Gemeinden sind mit EUR 1.814 Mio. der größte Einnahmenblock aus wirtschaftlichen Tätigkeiten. Diese ergeben sich überwiegend aus Gebührenerträgen für die Nutzung bzw. Bereitstellung kommunaler Infrastruktur. Allein 54,3 % bzw. EUR 985,4 Mio. der Gebühreneinnahmen des Jahres 2013 wurden für die Gewährleistung der Abwasserbeseitigung erzielt, 24,1 % bzw. EUR 436,8 Mio. für die Durchführung der Müllentsorgung und 17,1 % bzw. EUR 310,4 Mio. für die Sicherung der Wasserversorgung. Diese drei kommunalen Dienstleistungen zusammen waren für rund 96 % der Gebühreneinnahmen verantwortlich.«¹⁴

Aha. Drei Viertel der Gebühren gehen in die Müllbeseitigung. Wo sind denn die Zeiten hin, als Abfall so wertvoll war wie frische Nahrung? Hat es die je gegeben? In Oderaue (an der Grenze von Brandenburg nach Polen) gibt es ein Theater mit Trockentrenntoiletten (Trennung vom Festen und Flüssigen, keine Wasserspülung). Es heißt, es gebe dort einen Teller mit Münzen. Aber nicht für die Putzfrau, sondern dem Benutzer als Dank für die Humusspende.¹⁵

Die deutschen Klärwerke verbrauchen etwa 20 % des Stroms aller Einrichtungen in der Hand der Gemeinden (wie Schwimmbäder, Schulen oder die Trinkwasserversorgung).¹⁶ Abwasserreinigungsanlagen sind in anderen Teilen der Welt nicht so weit ausgebaut oder verbreitet wie im deutschen Raum. Es wäre wünschenswert, wenn sich dort andere, echte Lösungen verbreiten würden. Mit dem Spülklo wird nicht nur Dung zu Abfall und Trinkwasser zu Gülle, die Technik der Reinigung ist sehr energieintensiv: Die mittelgroße Abwasserreinigungsanlage Nordgoltern in Niedersachsen verbraucht etwa 1,53 Millionen Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Das Schmutzwasser kommt von einer 35.000-Einwohner-Stadt und einem Ortsteil einer benachbarten Gemeinde. Vermischt mit gewerblichem Abwasser entspricht der Verschmutzungsgrad 45.000 Einwohnern. Pro Einwohner muss also mit 34 kWh gerechnet werden. Mit 166.700 Klärwerken dieser Art könnten die häuslichen Abwässer von allen 7,5 Milliarden Menschen gereinigt werden. Macht aber 255.000 Gigawattstunden im Jahr – über 10 % der elektrischen Energie, die in einem Jahr von den 451 weltweit sich in Betrieb befindenden Atomreaktoren bereitgestellt wird.¹⁷ Und das reicht nicht, denn Nordgoltern verbraucht auch noch 20.000 Liter Heizöl.¹⁸

Klärwerke für die Industrie, Transportwege, Fahrzeuge, Stromtrassen (und ihre Leitungsverluste), Rohstoffgewinnung, Kanalreinigung, Probennahme, Verwaltung, Instandhaltung; Neubau, Abriss und Verwertung von Klärwerk, Kanalisation und Klärschlammverbrennungsanlage (aber auch dem Kraftwerk zur Stromerzeugung, zum Beispiel den 46 benötigten Atomreaktoren) muss man sich noch dazudenken. Und die Probleme, die dadurch erst entstehen. Alles in allem verschwindet viel Leben unter dem Beton.

Trockene Länder leiden erheblich darunter, wenn das dem Grundwasser entnommene Trinkwasser (über Quellaustritte und Brunnen) oder der Regen über den Städten nicht mehr das Land nährt und versickern kann, sondern über den Umweg einer Wasserleitung und einer Toilette nach dem weiten Ozean fließt. Das gering verschmutzte Grauwasser aus Bad und Küche mischt sich mit Gülle und kann nicht mehr zum Gießen im Garten verwendet werden. Die Weltkarte der Grundwasserneubildung zeigt große Probleme auf.

Die Wasserqualität der Flüsse im deutschen Raum hat sich verbessert. Aber wer würde aus ihnen trinken? Die Stadt Hamburg warnt sogar vor dem Baden in der Elbe:

»Die Untersuchungen zeigen, dass die Qualitätskriterien für die bakterielle Belastung, die in der EG-Badegewässerrichtlinie und in der Hamburger Badegewässerverordnung festgeschrieben sind, immer wieder überschritten werden. Dies tritt erfahrungsgemäß insbesondere nach starken Regenfällen auf.«¹⁹

Schleswig-Holstein rät davon ab, nach Starkregenfällen in der Nord- und Ostsee zu baden.²⁰ Und dasselbe wird auch Surfern empfohlen, weil Regenwasser aus Siedlungsgebieten in Mischwasserkanäle abgeleitet wird, also in solche, die auch Schmutzwasser führen. Nach Überschreitung der Kapazitäten fließt es weitgehend ungereinigt durch einen Mischwasserüberlauf in ein Gewässer. Zunehmend werden Kanäle aber im Trennsystem verlegt, also mit einem Extrarohr für Regenwasser. Dass das immer noch schiefgehen kann, wenn es nicht in aller Konsequenz verfolgt wird, zeigt dieses Beispiel aus Jever in Friesland letzten Sommer:

»Zwar gibt es im Stadlander Weg ein Trennsystem von Regenwasser und Abwasser, doch vom höher gelegenen Harlinger Weg drücken die Wassermassen aus dem bestehenden Mischsystem in die Regenwasserkanäle und treten als Fäkalschlamm aus den Gullydeckeln der Regenwasserkanalisation.« NWZ ONLINE²¹

Die Schadstoffe, die in den vergangenen Jahrhunderten durch die Gewässer flossen, sind nicht verschwunden. Auf der einen Seite lagern die Flüsse ihre Fracht ab, auf der anderen tragen sie Feinteile und sogar Kies ab. Es ist sogar möglich, aus den Fluss-Sedimenten eine Probe zu entnehmen, den Sedimentkern, und die Schadstoffbelastung vergangener Jahrzehnte festzustellen: Im Mündungsgebiet des Rheins fanden sich in den Ablagerungen von 1970 noch 10 Milligramm Quecksilber und 100 Milligramm Arsen pro Kilo.²² Seither sind die Werte stark gesunken.²³ Am Hamburger Hafen werden regelmäßig mehrere Millionen Tonnen Schlick ausgebaggert und an anderer Stelle in der Nordsee verklappt bzw. abgelagert. Wenn er stark belastet ist, wird er aufwendig an Land behandelt und auf einer Deponie in Moorfleet abgeladen.²⁴

Im Rhein von Basel bis Rotterdam wurden höhere Konzentrationen von mikroskopisch kleinen Plastikfasern gemessen als in allen anderen untersuchten Gewässern der Welt. Hochgerechnet fließen im Jahr 10 Tonnen Plastik in die Nordsee.²⁵ Eine Literaturstudie im Auftrag des Umweltministeriums in Deutschland aus dem Jahr 2011 kam zu dem Schluss, dass sich 111 Medikamentenwirkstoffe von 135, nach denen gesucht wurde, im Ablauf deutscher Abwasserreinigungsanlagen wiederfanden.²⁶ Es gibt aber mehrere Tausend solcher Wirkstoffe! In der Tierhaltung werden ebenso Unmengen von Mitteln eingesetzt, die mit der Gülle auf den Feldern landen und sich ihren Weg ins Grundwasser suchen. Kein Wunder, dass die Studie auch den Positivbefund von 23 solcher Stoffe unter 51 untersuchten (in Konzentrationen bis zu 1 Mikrogramm pro Liter) im deutschen Trinkwasser feststellt. Weder in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV) noch in der Trinkwasserverordnung von Deutschland spielen Arzneimittelwirkstoffe, anhand denen die Wasserqualität beurteilt werden könnte, bisher eine Rolle. Die Gewässer werden sogar auf mehr Schadstoffe hin untersucht als das Trinkwasser. Hier dürften den Gemeinden in einigen Jahren neue Kosten entstehen – durch die Nanofiltration und Aktivkohlefilterung als neue Reinigungsstufe in den Klärwerken, aber auch bei der Trinkwasseraufbereitung.

1848 wurde in Hamburg die erste große Kanalisation und die erste zentrale Wasserversorgung Deutschlands in Betrieb genommen. Die Stadt versorgte sich mit Wasser direkt aus der Elbe, etwas oberhalb von der Stelle, wo die Abwässer in den Fluss eingeleitet wurden. Mit Ebbe und Flut gelangte der Schmutz ins Trinkwasser. 1892 kam es zum letzten großen Auftreten der Cholera, wobei sich eine exakte Trennlinie durch die Stadt zog. Die Bewohner, die vom Altonaer Wasserwerk versorgt wurden, erkrankten nicht. Da gab es nämlich Trinkwasserfilter, in Hamburg erst ab 1893.²⁷ Flüsse, Talsperren und Seen dienen nach wie vor der Trinkwassergewinnung. Was heute aus der Leitung kommt, ist zwar sauber, aber nicht chemisch rein. In Berlin gewinnt die öffentliche Wasserversorgung 60 % des Trinkwassers aus Uferfiltrat.²⁸ Das ist Wasser, das in der Nähe von Flüssen oder Seen gewonnen wird, von wo es einer Wassergewinnungsanlage zugesickert ist und sich dabei mit Grundwasser vermischt hat. Die Qualität soll wesentlich vom Flusswasser abhängen. In Holland stellt Uferfiltrat den Hauptanteil an der Trinkwasserversorgung. Dabei stünde das Kriterium im Raum, das mit Nitrat – einem Abbauprodukt vom Stickstoff im Treibdünger und der Gülle – belastete Grundwasser durch Flusswasser zu verdünnen.²⁹ In Nordrhein-Westfalen (dem einwohnerreichsten Bundesland) wurde 2013 über 27 % des Trinkwassers (mehr als 222 Millionen Kubikmeter) aus angereichertem Grundwasser gewonnen. Das heißt, dass man Wasser aus Flüssen oder Seen künstlich versickern lässt und das damit angereicherte Grundwasser aus einem Brunnen gewinnt. Weitere 12 % waren Uferfiltrat. In Baden-Württemberg stammten über 6 % des Wassers direkt aus einem Fluss. Hamburg dagegen (und fast ganz Schleswig-Holstein) fördert heute nur noch Grundwasser.²⁸

Österreichische und deutsche Abwasserreinigungsanlagen nehmen mittlerweile über 80 % des Stickstoffs (N) und mehr als 90 % vom Phosphor (P) aus dem Wasser.³⁰ Über den Verbleib anderer Elemente außer N und P konnte ich nichts herausfinden. Aber alle diese Nährstoffe gelangen nicht mehr auf den Acker. Phosphor verbleibt im Klärschlamm, und der wurde in Deutschland 2015 zu 64 % verbrannt. Im Landschaftsbau (zum Beispiel bei der Bodenverbesserung zugeschütteter Gruben) landeten 11 % und in der Landwirtschaft 24 %.³¹ In der Schweiz darf kein Klärschlamm mehr auf die Äcker gebracht werden und auch in Deutschland und Österreich ist die Ausbringung rückläufig. Da war also mal ein guter Dünger, nur ist er so belastet, dass er verbrannt wird. Nach einer Schätzung sind zwischen 1951 und 2011 mit dem Phosphordünger in der deutschen Landwirtschaft 14.000 Tonnen Uran ausgebracht worden.³² Außerdem gibt es noch eine Verunreinigung durch Cadmium. In Zürich läuft ein Projekt zur Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche der Klärschlammverbrennungsanlagen. Die Schweiz könnte so 5600 Tonnen P im Jahr zurückgewinnen.³³ Beim N wird es dann komplett absurd: Mehr als die Hälfte des Stickstoffs, der irgendwie in die kultivierten Böden Deutschlands gelangt, wird künstlich im Haber-Bosch-Verfahren aus der Luft gewonnen.³⁴ Im ersten Weltkrieg diente es der Herstellung von Sprengstoffen. Mit 1,2 % der weltweit genutzten Primärenergie* werden Millionen Tonnen von atmosphärischem Stickstoff zu flüssigem Ammoniak verwandelt.³⁵ Wenn der Stickstoff über das Erntegut durch den Magen gegangen ist und im Klärwerk eintrifft, bleibt ein Teil, und zwar der kleinere, im Schlamm hängen, der größere gelangt in die energieintensive, biologische Reinigungsstufe, wo er von Bakterien unter Sauerstoffeinfluss zunächst zu Nitrat umgewandelt wird und dann in einem unbelüfteten Becken, wo sie das Sauerstoffatom im Nitrat zum Leben benötigen, von ihnen wieder in atmosphärischen Stickstoff verwandelt und damit in die Luft geblasen wird. Dieser Austausch von natürlich gebundenem Stickstoff durch künstlich synthetisiertem ist seit der Erfindung des Verfahrens vor 100 Jahren soweit gegangen, dass mehr als die Hälfte N, die ein durchschnittlicher Amerikaner in seinem Körper trägt, einmal durch die Haber-Bosch-Anlage gegangen ist.³⁶ Stickstoff kommt vor allem in den Eiweißen vor. Mit einer Halbierung des Fleischkonsums könnte der durchschnittliche Europäer die Abwasserreinigungsanlagen um einige hunderttausend Tonnen N im Jahr entlasten. Die Kläranlage Kloten-Opfikon im Kanton Zürich setzt ein Verfahren ein, um Stickstoff aus dem Abwasser zurückzugewinnen.

* Primärenergie bezeichnet die gesamte Energie in einem Energieträger (wie Holz, Kohle, Erdöl …). Wenn sie aus dem Rohstoff verfügbar gemacht wird, geht ein Teil für die Nutzung verloren.

In Zukunft sollte es kein Abwasser mehr geben. Mit Aschelauge kann man Geschirr spülen. Dazu gibt man ein paar gehäufte Esslöffel Holzasche auf einen Liter Wasser, wartet einen Tag und schüttet das Wasser ohne den Satz in eine Flasche. Auf das heiße Spülwasser gibt man mehrere schwapsige Esslöffel von der Lauge (man muss ausprobieren, wie viel man braucht). Bei besonders fettigen Pfannen drückt man die Spülbürste direkt in Asche, bevor man sie ausreibt. Wenn Asche und Fett zusammentreffen, schäumt es manchmal ein bisschen: Es entsteht Schmierseife. Die Lauge ist ein bisschen ätzend, also nicht über die Hände schütten. In Bad und Waschküche kann man sich mit Schmierseife und Kernseife behelfen. Das Regenwasser vom Dach kann Teiche speisen, die auch als Speicher für Gießwasser im Garten gut sind. Metalldächer, aber auch Regenrinnen und Fallrohre mit Kupfer (Cu) oder Zink (Zn) sollte man prüfen. Eine gewisse Menge ist gut, zu viel darf nicht im Wasser landen. Der eigene Mist, den man aufs Land ausbringt, ist so, wie man sich führt. Man sollte Leib und Seele gut nähren. Wenn man innen rein ist, ist es auch das Milieu im Darm und man erhält einen guten Dünger. Medikamente schädigen den Boden und irgendwann das Trinkwasser. Wenn die selbstgezogenen Pflanzen Heilung spenden sollen, muss man auch den Boden mit dem Besten füttern. Maria Treben gibt in ihrem Buch ›Gesundheit aus der Apotheke Gottes‹ wertvolle Ratschläge zur Bereicherung des eigenen Speiseplans.

Mein Trockentrennklo, das ich Euch gezeigt habe, vereint drei Dinge: Es trennt Fest und Flüssig, bevor es sich mischen könnte, ist sowohl in der Hocke als auch im Sitzen benutzbar und ein Bidet ist es noch dazu. Das verschiebbare Becken für den Urin ist auch der Auffang für das Wasser, das bei der Popodusche anfällt. Der Hintern wird sauberer und Klopapier entfällt. Wenn man Eimer und Kanister weglässt, könnte man das Trennklo auch als Klositz über einer Fallgrube bzw. als Klositz in einem Kompostklo benutzen. In der Ableitung für das Flüssige müsste in diesem Falle aber ein Geruchsverschluss eingebaut sein. In der Hocke, das Gewicht auf den Füßen, die Oberschenkel zum Bauch hin geneigt, nimmt man die Haltung ein, für die der Körper gebaut ist. Es ist auch dieselbe Haltung, die eine natürliche Geburt ermöglicht: Sie erweitert den Geburtskanal im Querschnitt um 20 bis 30 %.³⁷ Es reicht nicht, mit erhöhten Füßen zu sitzen. In der herkömmlichen Position wird der Schließmuskel eingeschnürt, anstatt dass seine Entspannung ermöglicht würde und der Winkel zwischen Enddarm und Analkanal sich weiten könnte. Der unnatürlich hohe Druck, den der Stuhlgang dann erfordert, führt zu Überdehnungen. Die Klappe zwischen Dick- und Dünndarm öffnet sich und Exkremente gelangen zurück in den Dünndarm, aber auch in den Wurmfortsatz (Blinddarm). Auf Darmhilfe.de kann man über eine Menge Probleme nachlesen, die verschwinden, wenn man zur richtigen Haltung zurückkehrt.

Die Fließgewässer sind die Adern der Erde. Das Wasser rinnt aus Gletschern und Quellen zusammen, verbindet sich mit dem Regenwasser und bringt einen mäandrierenden Strom hervor. Er will frei fließen und entledigt sich seiner Schmutzfracht. Erst an Land findet der große Umbau statt und aus dem Dreck wird neues Leben. Im Klärwerk versucht man Wasser in einigen wenigen Stunden zu reinigen. Wenn es regnet, sind es weniger und manchmal findet gar keine Reinigung statt. Die biologische Reinigung erfordert vier Fünftel am Gesamtstromverbrauch eines Klärwerks.³⁸ Im Humus ist der Lebensraum für die vielen guten Bakterien schon vorhanden. Hier braucht es kein Atomkraftwerk, um die Abbau- und Umbauvorgänge aufrecht zu erhalten. Und es geht hier nicht um Reinigung, sondern um das Erschaffen von neuem Leben.

In der Kompostierung von Urin sehe ich ein großes Potenzial: Mit seinem Stickstoff ergänzt er den Kohlenstoff im Sägemehl und verhilft zu einer raschen Umsetzung. Vom Flüssigen kommt dem Gewicht nach 10 mal mehr zusammen als Kot (um die 500 Liter im Jahr, und wenn man gut Wasser trinkt, entsprechend mehr). Bei den festen Ausscheidungen geht es nach der Kompostierung um eine Schubkarre im Jahr. Meist habe ich von Sorgen im Umgang mit den Feststoffen aus der Toilette gehört. Die Herausforderung sehe ich aber im Flüssigen. Urin ist zwar eine reine Sache – man könnte wohl darin baden –, aber nicht lagerfähig. Wenn es warm ist, muss er noch am selben Tag verarbeitet werden. Der meiste Stickstoff verlässt den Körper flüssig. Steht Urin eine Weile, steigt der pH-Wert über den neutralen Bereich (Wert 7) hinaus ins Alkalische/Basische. Ab diesem Moment wird das gasförmige Ammoniak (NH3) frei – Stickstoff geht in die Luft und es stinkt.³⁹ Wenn man das vermeiden möchte, hat man drei Möglichkeiten:

  • Man kann den pH-Wert im sauren Bereich halten. Das erfordert eine regelmäßige Zugabe von Essig oder Sauerkrautsaft zum Beispiel.
  • Man setzt ein Rührwerk ein, sodass beständig Sauerstoff eingetragen wird. Diese Möglichkeit ist vielleicht bei der Güllebehandlung in der Tierhaltung interessanter.
  • Man gibt Holzkohle hinzu. Wenn die innere Oberfläche sehr groß ist, weil sie speziell behandelt bzw. aktiviert wurde, spricht man auch von Aktivkohle.

Holzkohle hat die Fähigkeit, Stoffe zu binden; sie ist ein hervorragender Filter. Erwin Zachl (Sensenlehrer und Permakulturpionier) hat die Erfahrung gemacht, dass Urin durch die Zugabe zerkleinerter Kohlestücke erst nach vier Wochen einen unangenehmen Geruch entwickelt: Stickstoff wird in der Kohle einfach gebunden. Wenn man diese Prozesse beobachten will, braucht man pH-Wert-Teststreifen für den Bereich 6 bis 8 (sonst ist die Aussage zu vage) oder ein Messgerät (wie bei der Quellfassung), das auch einen Sinn für die Temperatur hat (sonst kann es nicht exakt sein). Urin hat Ähnlichkeit mit Treibdünger, weil seine Nährstoffe überwiegend als gelöste Salze vorliegen. Die Mischung ist natürlich viel ausgewogener, aber es besteht bei der Ausbringung auch die Gefahr der Auswaschung. Im Winterhalbjahr, wenn die Natur schläft, sollte man nicht düngen.

Der Vorteil der Trennung von Urin und Kot besteht darin, dass sich eine Vielzahl verschiedener Anwendungsmöglichkeiten daraus ergeben: Ich habe zwei Rohstoffe für sich allein. In der Natur findet keine Vermischung statt: Das Feste bleibt auf dem Gras liegen, das Flüssige versickert. Die Abtrennung ist auch durch die Kombination von Toilette und Bidet gegeben. Der Benutzer hat aber die Wahl, ob Urin und Bidetwasser getrennt oder gemeinsam gesammelt werden. Was der Körper ausscheidet, braucht er wahrscheinlich nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob die Stoffe, die den Menschen verdaut verlassen haben, das Richtige für die Kulturpflanzen sind, von denen sich ein Mensch ernährt. Vielleicht ist das den Pflanzen auch ganz gleich, aber der Mensch hat vielleicht ein besseres Lebensmittel, wenn der Kreislauf der Substanzen ein bisschen größer ist und die Tiere (mit ihrem Mist) mit einschließt. Anhand dem Aufkommen vom Escherichia-coli-Bakterium (E. coli) aus dem Dickdarm wird in Gewässern die Verunreinigung mit Kot geprüft. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass Pflanzen (wie zum Beispiel eine Tomate) mittels der Endozytose eine ganze solche Zelle in sich aufnehmen und verdauen können.⁴⁰

Okay, die Herausforderungen habe ich genannt. Ich habe bis hierhin keine Erfahrungen mit der Weiterverarbeitung von Fest und Flüssig, möchte aber zeigen, welche ungewöhnlichen Ansätze es gibt und wo daran gearbeitet wird:

  • Man kann den Urin mischen mit holzigen Materialien (am besten Sägespäne und Rindenschrot) im Verhältnis 1 : 3 bis 1 : 5 (1 Liter Urin auf 3 bis 5 Liter Streu). So wird die ganze Flüssigkeit aufgesaugt, der Kohlenstoff (C) aus dem Holz und Stickstoff (N) ergänzen sich perfekt – ein guter Kompost. Wenn die Rinden von Nadelgehölzen stammen, könnte die Zugabe von Holzasche helfen den pH-Wert vom Sauren wieder ins Neutrale zu bewegen. Allerdings kann Regen Nährstoffe fortspülen und es empfiehlt sich eine Überdachung (unter einem Kompostklo wäre sie von Natur aus vorhanden). Die Prozesse in einem Kompost sind oft hektisch und mit viel Wärme verbunden: Es wird mehr Energie als nötig in die Luft geblasen und die freiwerdenden Nährstoffe können so schnell nicht wieder gebunden werden und versickern. Weil es ein reiner Urinkompost ist, kann die Erde aber bedenkenlos im Garten ausgebracht werden. Gröberes Material wie Stroh macht den Kompost luftiger und verhindert Verklumpungen.
  • Es ist möglich, die Umsetzung von Gehölzschnitt und Holzstämmen zu beschleunigen, wenn man sie zunächst in Urin taucht und dann ins Hügelbeet einbringt. Außerdem könnte das ein Vorteil für die Pflanzen sein, die obendrüber wachsen, weil der Pilz nicht darauf angewiesen ist, den Stickstoff aus der Erde zu entnehmen.
  • Mit verdünntem Urin – zum Beispiel verdünnt mit dem Badewasser, wenn nur Kern- und Schmierseife verwendet wurden – kann gedüngt werden. Den starkzehrenden Pflanzen gibt man mehr als den schwachzehrenden. Wenn man es übertreibt, kann die Lagerfähigkeit des Gemüses leiden. Hans Peter Rusch stellte bei Sellerie, Roten Rüben (Randen) und Kartoffeln fest, dass die Haltbarkeit im Treibdüngeranbau gegenüber dem Humuslandbau um die Hälfte sinkt.⁴¹
  • Man stellt Terra Preta her, die fruchtbare, schwarze Erde vom Amazonas. Marco Heckel empfiehlt 10 Liter Holzkohle mit 3 Litern Urin, einem halben Liter Milchsäurebakterien und 1 Kilo Gesteinsmehl zu vermischen, das Ganze ein paar Stunden einzuweichen und dann in Furchen oder Pflanzlöcher auszubringen.⁴² Darüber kommt eine Schicht Erde und dann wird eingesät. Würde man das Gemisch nur flächig ausbringen, dauerte es viele Jahre, bis man seine Wirkung bemerken würde.⁴³ Die Kohle mit ihrer großen Oberfläche hält die Nährstoffe, gibt den Milchsäurebakterien ein Zuhause und speichert lange Wasser.
  • Richard Mahringer hat mit uns über Bokashi gesprochen. Das ist die japanische Bezeichnung für milchsauer vergärte Küchen- oder Gartenabfälle. Das Gleiche können wir mit dem Kot machen. In den Käsereien fallen regelmäßig Labeimer mit 20 Litern Volumen an. Für Bokashi sollte man sich zwei, besser drei solcher Eimer besorgen (mit Deckel natürlich). Sie passen auch anstatt dem Edelstahleimer unter mein Trennklo. Möglich wären auch Steingut-/Gärtöpfe mit Wasserrinne, nur muss die Öffnung auch groß genug sein. Milchsäurebakterien brauchen Zucker. Wenn die Fermentation schneller gehen soll, muss man Obstabfälle dazugeben. Der Boden wird mit Streu ausgelegt und nach jedem Geschäft gibt man eine Tasse Holzkohlepulver obendrauf. Die Holzkohle sollte bereits in Sauerkrautsaft oder etwas Ähnliches getränkt worden sein. Der Deckel ist immer zu verschließen. Diese Methode soll so geruchsarm sein, dass man sie im Wohnzimmer anwenden könnte. Wenn der Eimer annähernd voll ist, wird er einen Monat beiseite gestellt. In der kalten Jahreszeit muss er an einem genügend warmen Ort stehen (15 °C wären schon gut). Danach sind alle unangenehmen Gerüche verflogen und dem typischen Bokashi-Geruch gewichen. Alles ist jetzt vorverdaut und schnell kompostierbar. Die Kohle speichert den Stickstoff und verhindert damit Fäulnis. Richard hat eingewendet, dass man auf diese Weise aber auch einen dauerhaften Rückzugsort für die Darmbakterien schüfe, die die Kohle besiedelten, wenn etwas schieflaufen würde. Ich werde einmal ausprobieren, wie die Milchsäurebakterien ohne Luftabschluss im Edelstahleimer arbeiten. Die meisten unter ihnen sollen aerotolerant sein, also ohne Sauerstoff leben, aber kein Problem mit Luftkontakt haben. An der Technischen Universität Hamburg wird das Verfahren Terra Preta Sanitation erforscht. Es ist dasselbe Verfahren der Fermentation mit denselben Zutaten (und mit Gesteinsmehlen und nachfolgender Wurmkompostierung), behandelt aber Fest und Flüssig gemeinsam. Unter Ziffer ⁴⁴ im Quellenverzeichnis findet Ihr ein paar Hinweise auf Internetseiten und Stellen, wo man etwas mehr darüber erfahren kann.
  • Eine ältere Methode hat Sir Albert Howard 1943 beschrieben. Man hebt ein Loch aus von 23 Zentimetern Tiefe und einer Fläche nach Bedarf. Die Grube wird zu einem Drittel mit pflanzlichen Abfällen gefüllt und dann mit einer dünnen Schicht Kot (zum Beispiel dem fermentierten aus dem Bokashi-Eimer) bedeckt. Dann kommen nochmal Abfälle obendrauf und das letzte Drittel wird mit Erdreich verfüllt. Kompostwürmer kann man auch hinzugeben. Nach drei oder vier Monaten, sagt er, ist alles umgesetzt.⁴⁵

Im Sägewerk bekommt man Sägemehl und -späne für die landwirtschaftliche Nutzung. Wenn man Fest und Flüssig damit kompostieren will, braucht man etwa 200 kg im Jahr.⁴⁶ In der Tischlerei gibt es Verunreinigungen durch Lack und Leim. Laut Hans-Peter Schmidt von der Delinat-Stiftung (mit den Delinat-Weinen) kann 1 Liter Pflanzenkohle 5 Liter Urin aufsaugen (Stichwort Adsorptionskapazität).⁴⁷ Womöglich kommt man daher mit weniger aus als oben beschrieben. Holzkohle kann man selbst herstellen mit einem Holzgasofen oder einem ganz einfachen Holzgaskocher. Ich koche gerne auf alten Küchenherden mit Feuer, aber für den Sommer wäre dieser Kocher eine gute Ergänzung, weil man nicht gleichzeitig das ganze Haus heizen muss.

Hakon von Holst, Mai 2018 (mit Ergänzungen nach Projektvorstellung zum Lehrgangsabschluss am Krameterhof)

Ein Gedanke zu “Am Wasser kann man alles messen

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